Full text : Baugenossenschaften und der Berliner Spar- und Bauverein

45

anderweitig  gebunden  hatten,  und  es  wäre  damit  die  für  die
speziellen  Zwecke  des  Vereins  so  überaus  nötige  Erfahrung
verloren  gegangen-  Es.  herrscht  im  allgemeinen  so  wenig
Verständnis  für  den  Bau  mustergültiger  kleiner  Wohnungen
in  bautechnischen  Kreisen,  daß  man  nicht  ohne  weiteres  auf
Kräfte,  die  sich  bewährt  haben  verzichten  kann.
Da  dem  Verein  inzwischen  auch  reichlichere  Mittel  zu
niedrigem  Zinssatz  zur  Verfügung  gestellt  waren,  so  lagen
finanzwirtschaftliche  Bedenken  für  die  Fortsetzung  der  Bautätigkeit ­
  nicht  vor.
Vor  allem  aber  war  der  eine  Grund  als  ausschlaggebend
zu  betrachten,  daß  man  es  in  Berlin  in  den  nächsten  Jahren
mit  einer  immer  steigenden  Not  an  kleinen  Wohnungen  zu
tun  haben  werde.  Der  Aufschwung  der  Industrie  hatte  immer
größere  Scharen  von  Arbeitern  nach  Berlin  gelockt,  während
für  ihre  Wohnungsbedürfnisse  immer  weniger  gesorgt  wurde.
Durch  die  Verteuerung  der  Baumaterialien,  durch  die  größere
Zurückhaltung  der  Hypothekenbanken  und  anderweitige  Beschäftigung ­
  der  Bauhandwerker  hatten  die  Privatunternehmer
es  immer  unrentabler  gefunden,  sich  mit  dem  Bau  kleiner
Wohnungen  zu  befassen.  Während  die  Arbeiter  sich  vermehrten, ­
  wurden  in  Berlin  viel  weniger  kleinere  Wohnungen
als  in  früheren  Jahren  gebaut.  Dabei  mußten  die  Mieten
dieser  Art  Wohnungen  natürlich  immer  mehr  steigen,  sodaß
die  Wohnungsnot  immer  schärfer  zu  werden  drohte.
Die  Entscheidung  wurde  schließlich  dahin  getroffen,  daß
man  eine  größere  Ansiedlung  im  Norden  Berlins  an  der  Ecke
der  Stargarder-  und  Greifenhagener-Straße  in  Angriff  nahm.
Man  erwarb  zu  diesem  Zweck  ein  Grundstück,  von  3000  qm
Größe  mit  ungefähr  110  m  Straßenfront.  Der  gute  Zuschnitt
des  Grundstückes,  seine  Lage  vor  dem  freien  Platze  der
Gethsemane-Kirche,  der  tadellose  Baugrund,  die  unmittelbare
Nähe  der  Stadtringbahn  und  der  elektrischen  Bahn,  gaben
den  Ausschlag  beim  Ankauf  dieses  Grundstückes  und  am
1.  Oktober  1900  waren  hier  wiederum  121  Wohnungen  fertiggestellt, ­
  die  sämtlich  an  einem  Tage  vermietet  wurden.
Wir  haben  es  bei  dieser  neuen  Ansiedlung  wieder  mit
einem  Häuserkomplex  zu  tun,  der  ein  großes  Eckhaus  darstellt. ­
  In  dem  Erdgeschoß  an  der  Stargarder  Straße  be ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.