60. Die Aufgaben des Banlenplacemefit.
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winnsteigerungschance des Unternehmens liegt, ist ein rein spekulatives
Papier. Er war in der Oepressionszeit zu sehr niedrigem Preise erlang
bar und stellte gewissermaßen eine Prämie auf die Zukunft dar. Line
europäische Aktie die in der Depression statt 10% nur 5% ergibt, bietet
dem Spekulanten noch immer ein Risiko, da sich der Erwerber fragen
muß, ob die 5% Dividende aufrecht bleiben. Bei einer Aktie dagegen
die nichts zahlt, wird auch nicht viel gewagt, aber der ganze Zukunfts
gewinn steht in Aussicht zum mindest dort, wo die Vorzugsaktien in
ihrer Dividende begrenzt sind. Dieses im Ansatz vortreffliche Ronzept
wurde freilich in der Praxis durch zu hohe Ansetzung der Vorzugs
aktien und Emission der gewöhnlichen Aktien im Zenit der Ronjunktur
stark diskreditiert.
3. Durch die Vereinigung der meisten Unternehmungen eines
Industriezweiges in eine Gesellschaft wurde die Individualität des
einzelnen Betriebs belanglos. Oie Prüfung der konkreten Verhält
nisse des einzelnen Unternehmens wurde erspart und wer sich für einen
Produktionszweig interessierte, glaubte ohne genauere Prüfung die
Aktie der Trustunternehmung kaufen zu können, in welcher ja alle
günstigen Momente der Industrie zum Ausdruck kommen mußten.
Auf dem Kontinent konnten die Banken diese Aufgaben nur in
wesentlich abgeschwächter Meise durchführen.
60. Die Aufgaben -es BanKenplacement.
Das Bankenplacement, die Unterbringung neuer werte durch die
Bankorganisation vollzieht sich im persönlichen Verkehr zwischen den
Angestellten der Bank und den Runden. Die Banken des Rontinents
haben durch ihre sonstige Tätigkeit in den meisten Zöllen die Möglichkeit,
vermögen und Lharakter des Runden zu beurteilen und danach ihre
Ratschläge einzurichten. Sie trachten dahin neuentstehendes Einkommen
an der Wurzel zu fassen und pflegen darum auch Vermögensverwal
tungen und Testamentsausführungen. Die Renntnis der Vermögens
verhältnisse und Absichten der Runden gewährt einen hohen Grad der
Sicherheit bei Emissionen. Eine Bank mit vielen Filialen kann relativ
leicht abschätzen, wieviel von einer Rentenemission mit bestimmter Ver
zinsung von ihren Rlienten genommen werden wird. Die Rupons wer
den bei ihr eingelöst, Zahlungen an die Runden auf deren Ronto ge
leistet, aus Anfragen der Parteien, aus der Art des Absatzes der Vor
räte an Rommissionseffekten kann die Stärke der Raufkraft abgeschätzt
werden. Mißgriffe bei Neuemissionen wie sie in England vorkommen,
wo nicht häufig nur wenige Prozente des Rapitals vom Publikum wirk-