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nicht mehr abzuweisen sein, daß sie in bezug auf Geld
beschaffung von den Versicherungsanstalten in dieselbe günstige
Lage versetzt werden wie die Baugenossenschaften. Aller
dings müßte dabei der Mietssteigerung und der Spekulation
eine feste Grenze gezogen werden, und es müßte eine
polizeiliche Überwachung der Wohnungen zugelassen sein.
Vor allem bietet ja der Verein seinen Mietern den großen
Vorteil, daß ihnen die Wohnungen nicht gekündigt werden
können, und daß sie gegen die Steigerung der Miete ge
schützt sind; andererseits aber ist es ihnen auch verboten,
Aftermieter bei sich aufzunehmen.
Für die städtische Gemeinde haben derartige Bestre
bungen, wie sie der Verein verfolgt, eine große Bedeutung.
Bei der wachsenden Nachfrage nach kleinen Wohnungen und
bei der zunehmenden Obdachlosigkeit ist die Gemeindever
waltung vor allen Dingen daran interessiert, daß gesunde
kleine Wohnungen in größerer Zahl als bisher geschaffen
werden, Die Gemeinde sollte daher alles mögliche tun, um
derartige Bestrebungen zu unterstützen, und die Bautätigkeit
der Genossenschaft zu fördern und zu erleichtern. Es stehen
ihr ja nach dieser Richtung hin mannigfache Mittel zur Ver
fügung. Sie kann der Genossenschaft die Kanalisationsge
bühren, die Beitragskosten zum Straßenbau erlassen, sie kann
verfügen, daß Häuser mit Wohnungen unter 300 M. Miete
von der Grundsteuer befreit bleiben, sie kann der Genossen
schaft Baugelder zu niedrigem Zinsfuß leihen. Derartige
Unterstützungen sind in anderen Städten häufig vorge
kommen; in Berlin aber hat der Spar- und Bauverein seitens
der Gemeindeverwaltung bisher keinerlei Förderung erfahren,
und in Tempelhof hat man sogar seiner Tätigkeit die größten
Hindernisse in den Weg gelegt.
Die Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen hat
sich sowohl um die Gründung wie um die Organisation und
die weitere Entwicklung der Genossenschaft die größten
Verdienste erworben. Bei der Gründung kam es vor allen
Dingen darauf an, geeignete zuverlässige Personen, welche
den nötigen Einfluß in Arbeiterkreisen besitzen, zusammen
zubringen, denen man später die Leitung einer derartigen
Organisation an vertrauen konnte. Von großer Wichtigkeit