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Daß der amerikanische Unternehmungsgeist nach seinen
vielfachen und großen Erfolgen zuweilen die Treffsicherheit
in der Abschätzung der Möglichkeitsgrenzen verliert und
sich durch ein gesteigertes Selbstbewußtsein zu phantasie
voller Übertreibung verleiten läßt, erscheint begreiflich
und entschuldbar. Ich erinnere an die in Kapitel V wieder
gegebenen imperialistischen Zukunftspläne des Senators
Beveridge und an die Darlegungen eines sonst so kühl
abwägenden Mannes wie des Herrn Austin. Beide Kund
gebungen werden aber fast noch überboten durch eine
Rede, die bei dem 133. Jahresbankett der Handelskammer
von New York der Senator von Süd-Carolina, Herr
J. L. McLaurin — er ist „lawyer“ und gilt unter seinen
Landsleuten für einen ruhigen Politiker — gehalten hatte.
Herr Laurin sagte: „Hinsichtlich des Geistes der Regierung,
der erfinderischen Fähigkeiten, der Wissenschaften, der
Kunst und des industriellen Unternehmersinns hat unsere
Nation heute alle anderen übertroffen und fordert sie zu
einem Wettkampf um die Handelsoberhoheit heraus.“ Ich
habe diese Worte selbst mitangehört und habe gesehen,
welche berauschende Wirkung sie auf die Teilnehmer jenes
Festmahles ausübten, die fast ausnahmslos Mitglieder des
Handelsstandes und der Industrie New Yorks waren. Und
eine berauschende Wirkung sollten sie auch ausüben, diese
Worte und alle andern auf einen gleichen Ton gestimmten.
Wenn das Horoskop der nationalen Zukunft gestellt wird, sind
Äußerungen wie die vorerwähnten notwendig, insbesondere
der breiten Masse gegenüber, die in einem unbeugsamen
Glauben an den geschilderten Zustand, in einem glückseligen
hypnotischen Starren auf das Vorhandene oder auf die
angekündigte kommende Erscheinung die Kosten des vater
ländischen Ruhmes und seine mancnmal nicnt leichten Lasten
ohne Murren zu tragen hat oder hierzu angespornt werden