fullscreen: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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"Verfahren von Ueber- und Nebenschichten. Datz viele Arbeiter zu 
schwach zu irgend einer Beschäftigung im Bergbau sind, ist unrichtig. 
Die Beschäftigung erfolgt ihrer körperlichen Verfassung entsprechend, 
worauf die Zechen schon aus wirtschaftlichen Gründen bedacht sein 
müssen, die Revierbeamten berichten übereinstimmend, datz nach ihren 
Wahrnehmungen die Ausländer, wenn sie auch im grasten ganzen nicht 
so leistungsfähig wie unsere Arbeiter seien, die ihnen übertragenen 
Arbeiten ohne Schädigung ihrer Gesundheit ausführen könnten. Zu 
dem sind viele Arbeiten solche, die sonst jugendliche oder jüngere Ar 
beiter verrichten. 
Sieht man ab von den wenigen Fällen, in denen infolge tatsäch 
licher körperlicher Schwäche ein russisch-polnischer Arbeiter der ihm 
zugewiesenen Beschäftigung nicht hat nachgehen können Und dann ent 
weder in die Heimat zurückbefördert oder in passenderem Industrie 
zweig mit Genehmigung der zuständigen Behörden untergebracht ist, 
so muh man aus vielen Anlässen zu der Schlußfolgerung kommen, datz 
die Untüchtigkeit der Ausländer meistens in einem Nichtkönnen, als 
vielmehr in ihrem Charakter begründet ist. Es muh betont werden, 
datz ein großer Teil auS minderwertigen Elementen zu bestehen scheint, 
die die größte Unlust zu einer geregelten Tätigkeit zeigen, oft von der 
Arbeit grundlos fern bleiben und schwer an deutsche Ordnung und 
Pünktlichkeit sich gewöhnen wollen. So betragen z. B. die willkürlich 
und ohne Krankenschein gefeierten Schichten auf einer Schachtanlage 
des Cöln-Neuessener Bergwerksvereins im Monat September 1818 
130 bei 50 Arbeitern. Häufig ist es zu Arbeitsverweigerungen und 
Unbotmätzigkeiten gekommen, auch läßt Sitte und Lebensart manchmal 
viel zu wünschen übrig. Datz diese arbeits- und ordnungsscheuen, 
widerspenstigen Elemente mit den zu Gebote stehenden Zwangsmah 
regeln angehalten werden, dürste durchaus zweckmäßig und angebracht 
sein, da solchen Menschen nur durch Strenge beizukommen ist. Unseres 
Erachtens haben die aus so widrigen Verhältnissen kommenden Men 
schen alle Ursache, sich hier wohl zu fühlen. Diejenigen, die sich ordent 
lich und gesittet aufführen, haben keinen Grund zu Beschwerden. 
Die Leute werden genau wie unsere Arbeiter behandelt. Es ist 
kein Fall grober Beschimpfung und systematisch schlechter Behandlung 
seitens der Beamten und der deutschen Mitarbeiter festgestellt. Mit 
geringen Ausnahmen, die sich auch meistens als ungerechtfertigt er 
geben haben, sind Klagen fremdländischer Arbeiter über Mißhand 
lungen nicht vorgebracht worden. Seitens vieler Zechenverwaltungen 
sind die Beamten ausdrücklich angewiesen worden, sich strengstens jeder 
Gewalttätigkeit den Ausländern gegenüber zu enthalten. Wenn mit 
unter die Behandlung der Ausländer nicht so ausfällt, wie sie es 
wünschen, so tragen sie durch ihr ungebührliches Benehmen selbst die 
Schuld. Allem Anscheine nach scheint auch in dieser Beziehung in 
letzter Zeit eine Besserung eingetreten und sich bereits ein guter
	        
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