tages nach größerer Klarheit der Haushaltsaufstellung hätte halten
können. Sie sichert vielmehr dem preußischen Finanzminister einen
weit- und bis ins einzelne gehenden Einfluß aus die Wirtschaftsgebarung
der Staatsbahnverwaltung. Bei der großen Bedeutung der Eisenbahn
einnahmen und -ausgaben für die Staatswirtschaft ist es verständlich,
daß kein preußischer Finanzminister diesen Einfluß ohne die schwerst-
wiegenden Gründe aus der Hand zu geben geneigt war. Daß aber
auch alle Finanzminister bisher ihn tatsächlich zu behaupten gewußt
haben, erklärt sich aus der hervorragenden Stellung, die der Finanz-
minister im preußischen Staatsministerium überlieferungsgemäß ein
nimmt.
In einem inneren Zusammenhang mit der Einordnung des Eisen
bahnhaushaltes in den preußischen Staatshaushalt und mit dem über
ragenden Einfluß des Finanzministers im Eisenbahnhaushalt, namentlich
bezüglich der Ausgabenbewilligung, steht die Abhängigkeit, in die beide,
Eisenbahn- und Staatswirtschaft, von den jeweiligen Konjunktur
schwankungen geraten sind.
Es ist klar, daß ein Betrieb wie die preußischen Staatseisenbahnen
von den Schwankungen des Wirtschaftslebens in genau dem gleichen
Maße getroffen wird, wie beispielsweise die großen Unternehmungen
in der Berg- und Hüttenindustrie. Ja, diese Schwankungen sind für
einen so vielgestaltigen und auf regelmäßigen Verlauf so eingestellten
Betrieb, wie es die Eisenbahn ist, besonders empfindlich. Man sollte
daher annehmen, daß die Finanzwirtschaft der Eisenbahnen mit noch
weit stärkeren Schutzmaßnahmen gegen die Schwankungen der Kon
junktur ausgerüstet sei als die kaufmännische Praxis. Indessen ist
das nicht der Fall.
Die Gewinnausteilpolitik der großen Privatwerke, Banken und
anderen Unternehmungen zeigt in immer steigendem Maße das Be
streben, die Erträge stetig zu gestalten, d. h. in jedem Jahre tunlichst die
gleichen, und zwar mäßig bemessenen Gewinne ausschütten. Dies
fetzt nun voraus, daß in guten Jahren die Übergewinne durch besondere
Einrichtungen aufgefangen und für schlechte Jahre aufbewahrt werden.
Weiter zeigen alle gut geleiteten Privatunternehmungen das Bestreben,
notwendige Erwerbungen und Ausgestaltungen aus eigenen Mitteln
zu bestreiten, d. h. also einen Teil der Reingewinne für solche Bedürf
nisse jeweils zurückzustellen, um sich möglichst unabhängig vom Geld
märkte zu halten. Die Vorbedingung für all das ist also in erster
Linie die Aufspeicherung der über das Durchschnittsmaß hinausgehenden
Erträge der guten Jahre.
Die Form, der die R ü ck l a g e p o l i t i k sich bedient, ist verschieden.
Man kann sie aber in drei große Gruppen teilen: die Bildung stiller
Rücklagen, die im Jahresabschluß nicht erscheinen, die Bildung offener