Full text : Die Reichseisenbahnen

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oft  eine  merkwürdige  Zersplitterung.  Da  fahren  z.  B.  auf  einer  staatlichen ­
  Nebenbahn,  die  einen  Millionenaufwand  an  Baukosten  erfordert
hat,  täglich  zwei  bis  drei  Züge.  Neben  dieser  Staatsbahn  besteht
vielleicht  eine  Kleinbahn,  die  wirtschaftlich  nicht  leben  und  nicht
sterben  kann.  Ferner  werden  Versuche  mit  A  u  t  v  m  o  b  i  l  l  i  n  i  e  n
gemacht.  Davon  völlig  getrennt  wieder  geht  der  P  o  st  d  i  e  n  st,  der  sich
zwar  aller  dieser  Verkehrsmittel  bedient,  aber  eine  in  jeder  Beziehung
getrennte  Verwaltung  in  der  Hand  des  Reiches  darstellt.  Die  G  ü  t  erbe ­
  st  ä  t  t  e  r  e  i  zwischen  Eisenbahn  und  Ort  liegt  dann  wieder  in  der
Hand  privater  Rollfuhrunternehmer  usw.
Liegt  es  in  so  einfachen  Verhältnissen  nicht  nahe,  diese  gesamten
Verkehrszweige  zu  einem  einheitlichen  und  leistungsfähigen  Unternehmen
zusammenzuschließen  und  ihm  nicht  nur  den  Eisenbahnverkehr,  sondern
auch  den  Verkehr  mit  Kraftfahrzeugen  sowie  die  regelmäßige  Güterbestätterei ­
  und  auch  die  Beförderung  von  Paketen  und  Briefen,  d.  h.
den  Postdienst,  zu  übertragen?  Ja,  man  könnte  weiter  gehen  und  sich
fragen,  ob  in  landwirtschaftlichen  Bezirken  ein  solches  Unternehmen  nicht
auch  einige  kaufmännische  Geschäfte  mit  übernehmen  könnte,  beispielsweise ­
  den  Kohlenhandel,  sofern  hierfür  genossenschaftliche  Einrichtungen
noch  fehlen  sollten.  Wichtiger  aber  als  dieses  wäre  meines  Erachtens
die  Schaffung  und  Verwaltung  ausreichender  Lagereinrichtungen. ­
  Fast  alljährlich  erleben  wir  durch  das  Zusammentreffen  der
Ernte  mit  der  Brennstoffversorgung  Verkehrsschwierigkeiten,  ja  Verkehrsstockungen, ­
  die  ihre  Wirkungen  bis  in  die  fernsten  Landesteile  erstrecken. ­
  Dadurch  erleidet  die  Abfuhr  der  Landesprodukte  eine  empfindliche ­
  Störung.  Diese  regelmäßige  Abfuhr  ist  aber  zum  großen  Teil
lediglich  in  den  wirtschaftlichen  Bedürfnissen  des  Erzeugers  begründet.
Er  muß  im  Herbst  verkaufen,  um  Geld  zu  erhalten,  und  >nuß  abbefördern,
weil  es  ihm  an  Raum  zur  Lagerung  fehlt.  Hier  wäre  es  vielleicht  eine
dankenswerte  Aufgabe,  durch  Schaffung  von  Lagerhäusern,  Silos  und
dergleichen  einzugreifen.  Mit  diesem  Geschäft  wäre  die  Beleihung  der
eingelagerten  Güter  zu  verbinden.  Etwas  derartiges  ist  keineswegs  neu.
Die  russischen  Staatsbahnen,  in  denen  ähnliche  Bedürfnisse
weit  dringender  vorlagen  und  noch  vorliegen,  sind  bereits  früher  in
großem  Maßstabe  mit  derartigen  Bauten  und  Geschäften  vorgegangen*).
Daß  es  in  Deutschland  an  derartigen  Einrichtungen  in  großem  Maßstabe ­
  noch  sehr  fehlte,  ist  uns  durch  dieErfahrungendesKrieges
empfindlich  zum  Bewußtsein  gebracht  worden.  Wiederholt  hatte  man  aus
Handelskreisen  im  Rheinland  auf  das  Fehlen  ausreichender  Getreidesilos
im  Westen  hingewiesen  mit  dem  Erfolge,  daß  man  vor  Ausbruch  des
Krieges  in  amtliche  „Erwägungen"  eingetreten  war.  Meines  Er-*)
  Dgl.  Mertens  im  „Archiv  für  Eisenbahnwesen"  1917.  „Dreißig  Jahre
Russischer  Eisenbahnpolitik".
            
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