Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Drittes  Kapitel.  Die  Dienstwohnung.

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mannigfache  Gründe.  Die  Seltenheit  der  Wohnungen  macht  die
Arbeiter  abhängig;  dies  hält  sie  wiederum  ab,  Wünsche  nach  besseren
Wohnungen  vor  die  Behörden  zu  bringen.  Aber  selbst  wenn  sich  solche
Wünsche  hervorwagen,  bezweifeln  die  Mitglieder  vielfach  das  Bedürfnis;
ist  dieses  aber  nnabweislich,  so  tritt  das  Hemmnis  zutage,  daß  eine
volle  Verzinsung  nicht  erwartet  werden  darf.  Errichtung  von  Arbeiterhäusern ­
  ist  in  solchem  Falle  gleichbedeutend  mit  Steuererhöhung.  Selbst
wenn  man  sich  damit  abfindet,  entsteht  die  neue  Frage,  ob  diese  einenr
größeren  Distrikt  oder  nur  der  betreffenden  Gemeinde  zur  Last  fallen
soll.  Die  nicht  bedürftigen  Gemeinden  wollen  sich  nicht  zugunsten  der
bedürftigen  belasten,  und  die  bedürftigen  können  allein  die  Last  nicht  auf
sich  nehmen.  Weitere  Schwierigkeiten  liegen  darin,  daß  die  Ausschußmitglieder ­
  das  gute  Beispiel  fürchten,  nämlich  sich  sagen,  wenn  mir  erst
mit  der  Errichtung  guter  Wohnungen  anfangen,  finden  wir  kein  Ende;
weiter,  wenn  die  Behörden  von  sich  aus  bauen,  schrecken  sie  die  etwa
noch  unternehmungslustigen  Bauunternehmer  ab.
Die  oberste  Wohnungsbehörde  des  Landes  (Local  Government
Board,  Housing  Department)  in  London  hat  viel  zu  wenig  Beamte,
(darunter  nur  sechs  aufs  Land  kommende  Inspektoren),  um  einen  erheblichen ­
  Einfluß  auszuüben.  Sie  hat  überdies  nicht  die  Aufgabe,
Initiative  zu  üben.  Sie  müßte  also  in  ihrem  Personal  verstärkt  und
mit  ausübender  Gewalt  ausgestaltet  werden,  was  am  besten  dadurch
erreicht  wird,  daß  die  Staatsdarlehen  von  hier  aus  vergeben  werden,
und  zwar  durch  die  Grafschaflsräte  als  Mittelsbehörden.
Wie  groß  eigentlich  der  Bedarf  an  neuen  Häusern  ist,  ist  schwer
zu  ermitteln.  Nach  der  Zahl  der  durchforschten  Kirchspiele  (2624),  in
denen  355140  Häuser  und  das  Fehlet«  von  weiteren  22  706  festgestellt
wurde,  beträgt  der  fehlende  Prozentsatz  6,39.  Nun  müßten  aber  noch
5%  der  existierenden  Häuser  kassiert  und  durch  neue  ersetzt  werden,
so  daß  also  schlecht  gerechnet  10  °/o  neue  errichtet  werden  müßten.  Der
Zensus  von  1911  hat  in  England  und  Wales  1650000  Landhäuser
ergeben.  Davon  dürften  1200000  auf  die  arbeitende  Klasse  entfallen.
Es  harren  also  120  000  Arbeiterhäuser  der  Errichtung.
Drittes  Kapitel.  Tie  Dienstwohnung.
In  den  nördlichen  Grafschaften  und  vielen  Teilen  von  Wales  ist
das  System  der  „Tied  Cottages“  am  besten  zu  verdeutschen  mit  Dienstwohnungen ­
  in  geringerem,  südlich  des  Trent  in  erheblicherem  Umfange
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