Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Nachwort.

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effieren;  beiderseits  haben  wir  jetzt  mit  denl  landlosen  Arbeiter  zu
rechnen,  dessen  Interessen  nicht  mehr  parallel  mit  denen  des  wirklichen
Landwirtes  laufen,  sondern  der  bei  stetem  Rückgang  der  Naturallöhnung
mehr  und  mehr  als  Konsument  seinem  Arbeitgeber,  dem  Produzenten,
gegenübertritt,  der  also  beispielsweise  ein  Interesse  an  niedrigen  Brotpreisen, ­
  an  niedrigen  Milchpreisen  u.  ä.  hat.
Nun  hat  sich  ja  in  unseren  östlichen  Provinzen  eine  für  ein  gewisses ­
  Zeitalter  ganz  glückliche  Übergangsform  erhalten,  indem  der  zum
unselbständigen  Gutsarbeiter  herabgesunkene  Kleimvirt  den  größten  Teil
seines  Lohnes  in  Form  von  Landnutzung  (oder  dessen  vornehmstem
Produkt:  Getreide),  Viehnutzung,  Holznutzung  und  anderem  erhielt.
Diese  Lohnform  hat  fast  ein  Jahrhundert  lang  vermocht,  die  Schäden
der  Ausstoßung  des  Landarbeiters  aus  der  Dorfgemeinschaft  hintanzuhalten.

Während  sich  bei  uns  diese  Übergangsstufe  als  etwas  ganz  Natürliches ­
  ergab,  stießen  in  England  Niedergang  und  Ruin  des  Kleinbauerntums ­
  bereits  mit  dem  Anfang  der  industriellen  Entwicklung  zusammen,
und  es  geschah  dort  in  viel  rascherem  Tempo  und  viel  größerem  Umfange ­
  das,  was  auch  bei  uns  niehrere  Dezennien  später  in  jenen  Landteilen ­
  unabweisbar  wurde,  in  denen  ein  rasches  Aufblühen  der  Industrie
erfolgte:  der  Landarbeiter  wurde  ganz  wesentlich  auf  Geldlohn  gestellt,
der  von  Anfang  an  nicht  niedriger  war  als  der  der  Industrie  (denn  auch
die  Industrie  zahlte  ursprünglich  nur  niedrige  Löhne),  der  aber  den  Aufstieg ­
  der  Jndustrielöhne  nicht  mitmachen  konnte,  weil  das  inzwischen  erfolgte ­
  Einsetzen  des  Freihandels  das  Einkommen  der  Pächter  so  niedrig
hielt,  daß  sie  sich  sowohl  hinsichtlich  der  Zahl  ihrer  Arbeiter  wie  auch
hinsichtlich  ihrer  Entlohnung  auf  das  äußerste  einschränkten.  Auch  wo
immer  bei  uns  Industrie  und  Landwirtschaft  hart  aufeinanderstießen,
wie  in  Schlesien,  im  Königreich  Sachsen,  Westfalen,  in  der  Rheinprovinz, ­
  nahm  die  Entwicklung  des  Entlohnnngssystems  denselben  Lauf;
immer  dringender  wurde  die  Konkurrenz  mit  dem  Geldlohn  der  Industrie, ­
  und  immer  mehr  inußte  deshalb  vom  Naturallohnsystem  abbröckeln. ­
  Da  nun  aber  nach  Maßgabe  der  ländlichen  Lebensverhältnisse
an  ein  vollständiges  Abschaffen  des  Naturallohnteiles  nur  in  den
seltensten  Fällen  gedacht  werden  konnte,  vielmehr  immer  noch  eine  nicht
unerhebliche  Quote  des  Gesamtlohnes  in  Form  von  freier  Wohnung,
Garten,  Kartoffeln  oder  Kartoffelland,  freien  Fuhren  usw.  beibehalten
werden  mußte  —  alles  Leistungen,  die  vom  Arbeiter  nur  sehr  niedrig
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