Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

Kapitel  I.
Die  Entwicklung  der  deutschen  Baumwoliindustrie  bis  zum
Ende  des  18.  Jahrhunderts.

In  Deutschland  fand  die  Baumwollindustrie  Eingang  von  Italien  aus
über  die  Schweiz  etwa  im  14.  Jahrhundert.  In  Ulm,  Regensburg
und  Augsburg  wurde  die  neue  Spinnfaser  zuerst  eingeführt.  Baumwollenes ­
  Garn  wurde,  mit  Leinengarn  vermischt,  ersteres  als  Einschlag,
letzteres  als  Kette,  zur  Herstellung  eines  Gewebes  verwandt,  das  mit
dem  Namen  Barchent  belegt  wurde.  Die  Barchentweberei  wurde
namentlich  in  Ulm  zu  hoher  Blüte  gebracht 1 ).  Von  hier  aus  verbreitete ­
  sich  die  Weberei  nach  dem  Elsaß  und  den  noch  heutigentags
blühenden  Textilindustrieplätzen  Mittel-  und  Unterfrankens:  Nürnberg,
Bamberg,  Bayreuth,  Kulmbach,  Hof  und  sprang  von  hier  nach  Sachsen
hinüber;  hier  siedelte  sich  die  Industrie,  namentlich  in  Plauen 1  2 ),  Chemnitz,
Zwickau  und  den  Dörfern  auf  dem  Erzgebirge  an.  Der  Markt  für
den  Rohstoff,  der  damals  allein  aus  der  Levante,  nämlich  aus  Cypern
und  Mazedonien,  kam,  war  Venedig.  Von  hier  aus  kam  er  über  die
uralte  Handelsstraße,  den  Brennerpaß,  nach  Süddeutschland.  Nach
der  Entdeckung  des  Seeweges  nach  Ostindien,  dem  Ursitz  des  Baumwollbaues ­
  und  der  Baumwollindustrie 3 ),  trat  eine  Wandlung  in  den
Welthandelsbeziehungen  ein,  die  Marseille,  Amsterdam  und  Rotterdam
an  den  bisher  von  Venedig  und  Genua  eingenommenen  Platz  setzte.
Nun  wurden  auch  hier,  in  Holland,  Textilbetriebe  errichtet  und  in
der  Folge  auch  in  der  deutschen  Nachbarschaft  am  Unterrhein,  in
Krefeld,  München-Gladbach,  Rheyd  und  anderen  Städten,  in  denen
schon  Leinen-  und  Seidenweberei  betrieben  wurde.  Die  .Spinnerei
ist  erst  nach  der  Weberei  und  zwar  zunächst  in  Süddeutschland,  dann
1)  Vgl.  E.  Nübling,  Ulms  Baumwollweherei  im  Mittelalter,  Leipzig  1890.
2)  Nach  L.  Bein,  Die  Industrie  des  sächsischen  Voigtlandes,  Leipzig  1884,  II.,
S.  37,  legten  holländische  Flüchtlinge  im  16.  Jahrhundert  den  Grund  zu  der  berühmten
voigtländischen  Schleierindustrie  und  damit  zur  Baumwolhveberei.
3)  Vgl.  A.  Oppel,  a.  a.  O.  S.  10.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.