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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
42. WIE UND WANN WIRKT UND WIRBT
DAS PLAKAT?
In der Propaganda der großen Verkehrsstädte, der Kur- und
Badeorte hat sich das Plakat eine führende Stellung errungen.
Seltener begegnet man ihm bei der Reklame der Hotels.
Seitdem akademisch gebildete Künstler von Rang und Ruf es
nicht mehr verschmähen, ihr Können in den Dienst des
Plakates zu stellen, hat es eine hohe, künstlerische Stufe
erreicht. Oft sieht man Plakate, die in ihrer Art wirkliche
Meisterwerke sind. Aber man stößt auch häufig genug auf
Entgleisungen, die den Beweis liefern, daß der ausführende
Künstler das Wesen des Plakates nicht richtig erfaßt hatte.
Beim Plakat muß oberster Grundsatz sein: Wirkung auf
Fernsicht! Schlagwortähnliche Wirkung! Also „Blickfang“!
Deshalb ist schärfste Verteilung beziehungsweise Kontrastierung
von Licht und Schatten, Nebeneinanderstellen leuchtender
Farbeneffekte nötig. Zarte Tönung, subtile Kleinmalerei,
sanftes Ineinanderfließen der Farben, wie es bei der Land-
schaftsmalerei usw. höchste Kunstform sein kann, wäre bei der
Plakatmalerei verfehlt. Das Plakat will, soll und muß schreien.
Darum muß es aus möglichst schreienden Farben entstehen.
Womit noch lange nicht gesagt ist, daß es deshalb unkünst-
lerisch oder gar häßlich werden muß. Auch mit sogenannten
„Schreienden‘“ Farben lassen sich wundervolle Wirkungen
erzielen, wie die Praxis oft genug gezeigt hat. Es ist eben
Plakatwirkung. Die soll ja das Plakat auch erzielen, sonst hat
es seinen Zweck verfehlt. Wer also ein Plakat irgendeinem
Künstler, einem Werbefachmann oder einer graphischen
Kunstanstalt in Auftrag gibt, der fordere, daß die eben
genannten Gesichtspunkte zur Anwendung kommen.
Im Wesen des Plakates liegt es ferner, daß darauf nicht
allzuviele Worte gemacht werden dürfen. In der weisen Wort-