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in England ebenso hoch sind wie in Deutschland, so stände sich also
der englische Arbeiter bei weitem besser als der deutsche 1 ). Weiter
meint aber derselbe Autor, der deutsche Arbeiter leiste trotz des geringeren
Lohnes nicht weniger als der englische, und gerade dieser Umstand
habe den Einfluß der Ungunst der Natur und der geschichtlichen
Entwicklung aufgehoben 1 2 ). Es wäre nun interessant zu wissen, wie
sich die Löhne der Hausweber zu denen der anderen verhalten, aber
nur wenige konkrete Angaben stehen uns da zu Gebote. Vor allem
finden wir in dem Band LXXXIV der „Schriften des Vereins für
Sozialpolitik“ 3 ) eine Anzahl von Untersuchungen über Llausindustrie
und Heimarbeit. Die Löhne der Hausweber werden meist im Akkord
satz gezahlt, sie bewegen sich zwischen 13 und 60 Pfg. pro Meter 4 ).
Fragen wir danach, was denn nun ein Hausweber im Durchschnitt
verdienen kann, wenn er täglich 12 bis 14 Stunden arbeitet, so lautet
die Auskunft recht verschieden. Im Elsaß — hier hat sich die Haus
weberei nur in Markirch gehalten — sind die Verhältnisse am besten 5 ),
im südlichen Schwarzwald 6 ) und im schlesischen Eulengebirge 7 ) am
schlechtesten. Dort soll der höchstmögliche Tagesverdienst 3,50 M.
betragen, hier 1 M., ja auf den Kämmen des Eulengebirges beträgt
der Verdienst bei fünfzehnstündiger Arbeitszeit 5 — 6 M. in der Woche
und noch weniger 8 * ). In dem Handelskammerbezirk Bayreuth war der
Tageslohn im Jahre 1902, einem Jahre, in dem die Löhne der Handweber
allerdings bedeutend zurückblieben, für zwei Personen zusammen 2 M. tt ).
Und trotzdem hält sich die Hand- und Hausweberei noch immer!
Anschaulicher als Einzeldaten ist eine Übersicht über die Ent
wicklung der Löhne. Von Nutzen hierfür sind die Daten der „Baum
wollspinnerei am Stadtbach“ in Augsburg 10 ). Deren Lohnsätze sind
durchschnittlich höher als die übrigen mir von Bajmrn und Sachsen
bekannten und niedriger als die im rheinisch-westfälischen Industrie
bezirk und im Oberelsaß üblichen, sie können daher wohl als Durch
schnittslöhne für ganz Deutschland gelten. Wenn wir die beiliegende
graphische Darstellung betrachten, so sehen wir, daß die Löhne in
1) W. Hasbach, S. 386.
2) Ebenda S. 391.
3) Leipzig 1899, S. 191 ff., S. 385—399, S. 465—506.
4) R. Liefmann, Die Hausweberei im Elsaß. Daselbst, S. 226.
5) Ebenda S. 226.
6) Heinrich Bernheim, Die Hausindustrie des südlichen Schwarzwaldes, S. 396.
7) u. 8) A. Glücksmann, Die Hausweber im schlesischen Eulengebirge, S. 498.
R. Wilbrandt, Die Weber in der Gegenwart. Jena 1906, S. 55 ff.
9l Jahresbericht der Handels- u. Gew.-Kammer für Oberfranken pro 1902, S. X44.
10) Jahresbericht der Handels- u. Gew.-Kammer für Schwaben u. Neuburg 1903, S. 4 u. 5.