XXV 1.
119
der einzigen Macht, welche sonst die Fähigkeit dazu besessen
hätte, waren die Hände gebunden. Schon am 22. März 1794
war ein dem englischen Gesetz vom 23. Mai 1806 entsprechen
des Verbot des von amerikanischen Untertanen, Schiffen oder
Kapitalien in die fremdländischen Kolonien geführten Sklaven
handels ergangen (Blake, S. 421), und im Jahre 1787 hatte
der Kongrefs beschlossen, den gesamten Sklavenhandel vom
1. Januar 1808 an zu verbieten (ibid., S. 401 ff.). Die Einzel
staaten hatten ihn für sich bereits sämtlich in den 1780er und
1790er Jahren, zuletzt Georgia 1798, aufgegeben. Wennschon
es ein offenes Geheimnis war, dafs die Verbote oft übertreten
wurden (Burghardt, S. 85), wennschon Südkarolina den
Handel 1804 plötzlich wieder erlaubte (Blake, S. 432) und er
noch einmal kurz vor Toresschlufs von 1804—08 einen Um
fang von etwa jährlich 10000 Negern (ibid., S. 445) annahm,
so war ihm doch vom Jahre 1808 ab gesetzlich ein Ende ge
setzt. Die britische Regierung hatte die Gewifsheit, dafs auch
von dieser Seite nichts mehr zu fürchten war. „Der Sklaven
handel ist ausschliefslich ein britischer, kein anderer“ (Fox,
H. o. C., 6. Juni 1804). „Keine andere Nation könnte ihn
jetzt aufnehmen ; daher ist die Gelegenheit zur Abolition
günstig!“ (Chancellor of the Exchequer, ibid.) „Dafs wir 9 /io
des Sklavenhandels besäfsen, sei schon möglich usw “
(Brooke, ibid.). Dafs aber England, selbst wenn dem nicht
so gewesen wäre, keinen Augenblick vor Gewaltmafsregeln
zurückgeschreckt hätte, bezeugen die Worte des späteren
Ministers Lord Grenville im Oberhause am 16. Mai 1806:
„Did not the noble and learned Lord (Eldon) see, that if we
gave up the trade, it was not possible for any state without
our permission to take it up? Did we not ride everywhere
unrivalled on the ocean ! Could any power pretend to engross
this trade, while we commanded from the shores of Africa to
the western extremities of the Atlantic?“ — „Hätte Napoleon
es dennoch gewagt, den Sklavenhandel wieder zu beleben, so
hätte England, nach der Meinung der damaligen Zeit zu ur
teilen, nicht gezögert, Mafsregeln zu ergreifen, um zu ver
hindern , dafs Frankreich auf Kosten seiner Nachbarn aus
diesem allgemein verurteilten Handel Vorteile zog!“ (Renny,
S 313 )
Es ergibt sich also, dafs es falsch ist, England als einen
der ersten Abolitionsstaaten zu bezeichnen. Faktisch ist es einer
der letzten gewesen. Mit alleiniger Ausnahme Portugals waien
ihm alle übrigen Staaten auf dieser Bahn vorangeschritten.
England hat seinen Anteil am Menschenhandel erst aufgegeben,
nachdem die anderen Länder den ihrigen sei es durch frei
willigen Entschlufs oder durch den Zwang der Umstände
verloren hatten. Nur indem Frankreich, Holland und Spanien
versäumten, ihrer tatsächlichen Abolition durch ein Gesetz die