12 I. DAS FRANZÖSISCHE GELDWESEN VON 1726 BIS 1788.
Im Jahre 1786 wiesen im Elsaß die silbernen Ecus ein
positives Agio auf und wurden trotz harter Strafen — in
qualifizierten Fällen wurde sogar die Todesstrafe angedroht —
insbesondere von Juden aufgekauft und exportiert. 1 )
Das scheint zunächst unsere Behauptung, Silber sei valu-
tarisch gewesen, in Zweifel zu stellen. Die Erklärung des
Yorgangs ist aber einfach.
Die neuen Louis wurden unterwertig geprägt. Der Staat
machte daher einen Münzgewinn. Au diesem ließ er, wie wir
wissen, die Einlieferer von Goldmünzen teilnehmen. Das hatte
zur Folge, daß massenhaft Louis aus dem Auslande nach dem
Inlande hereinströmten, insbesondere aus Deutschland nach dem
Elsaß. Nach dieser Grenzprovinz Frankreichs strömte so viel
Gold, daß nicht nur die epizentrischen, sondern auch die apo-
zentrischen Zahlungen und zwar diese hauptsächlich in den
neuen * 2 ) Louis gemacht wurden. Die neuen Louis wurden im
Elsaß zum Wertmesser. Als akzessorisches Geld waren die
neuen Louis unterwertig; da sie nun aber in dieser Provinz
valutarisch waren, hatten die silbernen Ecus ein positives Agio
und wurden vorteilhaft exportiert. Gegen die „unterwertigen“
neuen Goldmünzen hegte dagegen das Ausland in metallistischer
Befangenheit Mißtrauen. Diese Entwickelung war im Elsaß
dadurch möglich geworden, daß es wirtschaftlich selbständig,
handelspolitisch sogar Ausland war (etranger effectif).
Das Elsaß hatte also damals einen selbständigen Wechsel
kurs gegenüber Frankreich. Mit unserer Darstellung stimmt
die Klage überein, welche die Behörde im Elsaß damals führte,
daß das Silbergeld selten in der Staatskasse sei.
Das positive Agio des Silbergeldes im Elsaß hörte schon
im Jahre 1787 auf, aber nicht wegen der erneuten Schmelz-
') Das arret de la cour des monnaies vom 13. Nov. 1786 sagt,
man habe diese Beobachtung gemacht ,,dans differentes provinces du
royaume notamment en Alsace et principalement k Strasbourg“.
2 ) In Straßburg geprägten.