Contents: Die Social-Demokratie

142 V. Der Klaffenhaß und dir Soc.-Demokratie. 
Social-Demokratie in der heutigen Gesellschastsorganisation; 
denn es ist für sie ein Axiom, daß verschiedene Klaffen der 
Gesellschaft nicht friedlich nebeneinander und miteinander 
leben können. Alles was den Klaffenkampf fördert und ver 
schärft, liegt in ihrem Interesse. Namentlich sind ihr um 
deßwillen die einzelnen Kämpfe um gewiffe Arbeitsbedingungen, 
die Strikes, hoch willkommen. Es ist ein Irrthum, hinter 
jedem Strike die Agitation der Social-Dcmokratie zu ver 
muthen. An der Strike-Epidemie der letzten Jahre trugen 
wohl Arbeiter wie Arbeitgeber eine ziemlich gleiche Schuld, 
ohne daß die Social-Demokratie allemal ihre Hände dabei 
im Spiel hatte, wenn auch nicht in Abrede gestellt werden 
soll, daß gar mancher Strike von ihr direkt provocirt worden 
sein mag. Aber die Strikes mit dem Socialismus zu 
identificiren, ist unstatthaft. Jedoch das ist unzweifelhaft, 
daß aus den durchgefochtenen Strikes, einerlei ob die Arbeiter 
oder die Arbeitgeber als Sieger daraus hervorgingen, die 
Social-Demokratie den größten Nutzen gezogen hat. Sobald 
entgegenstehende Interessen, statt sich friedlich auszugleichen, 
zuill offenen Kampf führen, muß allemal diejenige Partei 
dabei gewinnen, welche am Klaffenkampf überhaupt ein In 
teresse hat. Daher kann auch der „N. Social-Demokrat" 
(1872, 27) schreiben: 
„In den Strikes finden gerade die Socialisten keine 
„radikale Befferung für die Arbeiter, selbst wenn dieselben 
„siegreich durchgeführt werden, aber eine herrliche Schule 
„für den Soci alièni us bilden sie sowohl, als die Strike- 
„vereine im Besonderen und deshalb sind die Strikes uns 
„willkommen, obwohl wir sie niemals provociren. Ein 
„provocirter Strike wird immer zu einem Rückschlag; ein 
„durch Noth entstandener ist immer, er mag ausfallen 
„wie er will, ein Fortschritt auf der socialistischen Bahn."
	        
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