Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 69
die Staufer an Frankreich angelehnt hatten!; es war ein Er⸗
gebnis ihrer Politik, wenn Karl von Anjou König beider
Sizilien geworden war.
Aber bald zeigte sich, daß mit dieser Umwälzung in den
italienischen Machtbeziehungen das Papsttum keineswegs sorgen⸗
freier und seiner theokratischen Richtung sicherer dastand, als
hisher.
Frankreich, nunmehr die eigentliche Stütze der päpstlichen
Bestrebungen, bot allerdings insofern einen festen Untergrund,
als gerade auf französischem Boden sich jene scholastische Durch⸗
bildung des mittelalterlichen Kirchentums vollzogen hatte und
weiter zu vollziehen im Begriffe stand, von der soeben gesprochen
ward. Richt mit Unrecht bezeichnete Jordanus von Osnabrück
um 1280 die Nömer als die geschichtlichen Vertreter des
Sacerdotiums, die Deutschen als die des Imperiums, die Fran⸗
zosen als die des Studiums; Deutschland im besonderen hat
an dem Ausbau der Scholastik verhältnismäßig wenig mit—⸗
gearbeitet, und die ersten originalen Gelehrten unseres Volkes
aus späterer Zeit, ein Nicolaus von Kues, Wessel, Erasmus,
sind ausgesprochenermaßen antischolastisch. So waren denn
die Päpste des ausgehenden 13. und 14. Jahrhunderts in
manchen Beziehungen geradezu auf Frankreich als den nährenden
VBoden des kurialen Systems angewiesen.
Da war es freilich ein schwerer Schlag für das Papsttum,
daß die Franzosen im Jahre 1282 durch den furchtbaren Auf⸗
stand der sizilianischen Vesper aus Sizilien vertrieben wurden,
ind daß auf der Insel ein ghibellinisch- aragonisches Königreich
errichtet ward. Rum bannte allerdings Papst Martin IV. den
aragonischen König, indes das bunte, allem geistigen Fort⸗
schritt offne Völkergemisch der Insel hielt das selbstgewählte
Königtum der Aragonesen in zwanzigjährigen Kämpfen gegen
die Päpste wie gegen die Anjous aufrecht. Damit war die
politische Stützung, welche das Papsttum in Italien durch das
franzoͤsisch-⸗unteritalische Koönigtum hätte erwarten können, durch
Val. Band UI S. 286.