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britischen Sklavenhandels zunächst nicht berührt worden.
Mannigfache Umstände vereinigten sich, auch diesem Handels
zweig unmittelbar darauf den Untergang zu bereiten.
Als der wichtigste von ihnen sei der in der ganzen
bisherigen Literatur noch nie berücksichtigte Interessen
konflikt zwischen den Pflanzern der älteren und denen
der neueren britisch - westindischen Inseln hervorgehoben.
Er brachte in dem eigenen Lager derer, die bisher ge
schlossen gegen jedwede Abolition gestritten hatten, einen
Zwist zum Ausbruch, an dem der letzte Widerstand zer
schellen sollte.
Die bisherigen Importverbote bezogen sich auf <lie aus
ländischen Kolonien oder auf die während des seit 1803 wieder
ausgebrochenen Krieges gemachten Eroberungen. Zu beiden
Gebietsarten nahmen das ehemals spanische, seit 1802 englisch
gewordene Trinidad, sowie in gewissem Sinne auch die drei
holländischen Guyanakolonien — insofern nämlich die britische
Regierung sie dauernd zu behalten wünschte (siehe die 1800
eingeleiteten Friedensverhandlungen bei Thiers, 1806) — eine
besondere Stellung ein. Laut Friedensvertrag gehörte Trinidad
seit 1802 mit genau denselben Rechten, wie die schon vor
1793 von England besessenen Gebiete, zu dem Verband der
britischen Sklavenkolonien. Bei der Übergabe waren nur
über die innere Verwaltung und Rechtssprechung gewisse Ver
einbarungen getroffen worden (Southey III, S. 279 und 309);
die Sklaveneinfuhr stand ihm vorläufig frei. Diese Freiheit
aber stand zu den Lebeusinteressen der älteren britischen
Kolonisten in striktem Gegensatz; denn Trinidad hätte unter
britischer Verwaltung und unter sonst gleichen Erwerbsbeding
ungen wegen seiner gröfseren Ertragsfähigkeit binnen kurzem
sämtliche übrigen britischen Zuckerkolonien im Konkurrenz
kampf geschlagen, einen erheblichen Teil ihrer Zucker
produktion an sich gerissen und deren ohnehin auf schwachen
Füfsen ruhenden Plan tagen Wirtschaft den Rest gegeben.
„Trinidad hatte so viel kulturfähiges Land (über 800000 acres),
dais es in wenigen Jahren mit Leichtigkeit 100000 hgd. Zucker
und eine entsprechende Menge Rum, Baumwolle usw. (d. h.
mehr als Jamaika) hervorgebracht und fast den gesamten
Bedarf Grofsbritanniens gedeckt hätte“ (Fr. M. Eden, S. 70
u. 77). Wegen seiner Fruchtbarkeit hätte es notwendig den
Hauptstrom des britischen Kapitalszuflusses und der Neger
importe an sich gerissen.
Dafs dies keine leeren Befürchtungen waren, beweist
sein rapider Aufschwung während der kurzen Okkupations
zeit, die dem Frieden von Amiens voranging. Von 1798
bis 1802 hatte es seinen Sklavenbestand fast verdoppelt, wie
folgende Zahlen bekunden (Southey, III, S. 149, 189, 228 u.
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