Object: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden. 
ist je eine Reihe von Kontokorrent-Konten, ähnlich der obigen Franken-, Gulden- 
usw. Koöntenreihe der Deutschen Bank vorgeschaltet zu denken; buchhaltungs- 
technisch ausgedrückt bedeutet dies, daß die nachstehende Skizze die „toten“ 
Währungskonten der Banken enthält, deren jedes die Zusammenfassung zahlreicher 
„iebender‘‘ Währungskonten darstellt. . 
Die Skizze will .die Gesamtheit aller am Devisenverkehr Beteiligten dar- 
stellen und zeigen, wie der Gesamtausgleich erfolgt. Der Ausgleich kann gewisser 
maßen in der horizontalen, vertikalen und diagonalen Richtung erfolgen. Den 
horizontalen Ausgleich kann theoretisch, wie wir schon sahen, jede Bank bis auf 
den Saldo aller ihrer Salden in sich vornehmen, sofern sie nicht vorzieht, mit ihren 
Salden ganz oder zum Teil an den Markt zu gehen. Der vertikale Ausgleich ist am 
Markt prinzipiell der wichtigste. Die Banken mit Sollsalden, z. B. in Franken, 
stellen ihre Forderungsüberschüsse in der Form von „eigenen Ausschreibungen“ 
“Schecks, Wechsel, briefliche oder telegraphische‘ Auszahlungen) im freien Ver- 
xehr oder an der Börse zum Verkauf, während die Banken mit Habensalden, 
z. B. mit Frankenschulden per Saldo, als Käufer auftreten. 
Dadurch wird für jede senkrechte Reihe das Gros der Summen links und 
rechts kompensiert. Nicht ausgeglichen wird, was als Überschuß der linken über 
die rechte oder der rechten über die linke Seite insgesamt sich für jede Konten» 
reihe, mithin als Saldo für jede Währung ergibt. 
Kompensiert man diese Salden der Salden oder „Salden pro Währung“ in 
der wagerechten Erstreckung gegeneinander, was in der Skizze — da Additions- 
ergebnis — nicht gezeichnet ist, indem praktisch z. B. die Bank No. 12 für ihre 
Frankenschulden von der Bank No. 27 deren Dollarüberschuß kauft — dies ist zu- 
gleich diagonaler Ausgleich —, so ergibt sich ein einziger Gesamtsaldo für 
alle deutschen Firmen gegenüber allen ausländischen Geschäftsfreunden, Entweder 
ist es ein Forderungssaldo an das Ausland insgesamt oder, wie die Dinge heute 
liegen, ein Schuldsaldo gegenüber dem Auslande. Dieser Saldo läßt sich 
mangels Masse nicht mehr ausgleichen, wie die Skizze mit mathe- 
matischer Exaktheit beweist. Es ist dieselbe Ausgleichsunmöglichkeit, die wir 
bereits in Anknüpfung an die Zahlen des Außenhandels kennen gelernt haben, 
Ergab sich dort die Unmöglichkeit aus der Tatsache, daß nur Leistungen mit Lei- 
stungen, Import mit Export getauscht werden können und folglich einseitige Importe 
ohne gleichzeitige Exporte als „Kapitaleinfuhr‘“ im „Schuldner“-Land stehen bleiben 
müssen, so zeigt obige Skizze die Unmöglichkeit des Ausgleichs von der Kehrseite 
des Warenverkehrs, nämlich von der Regulierungsseite der durch Import und Export 
entstehenden privatwirtschaftlichen Schuldverhältnisse. 
Denken wir uns nunmehr noch alle Schuldverhältnisse hinzu, welche außer- 
halb des Außenhandels entstehen, so versinnbildlicht .die obige Skizze sämtliche 
Forderungen und Schulden und damit die Zahlungsbilanz Deutschlands. Zwar 
sind. nicht sämtliche hunderttausend Konten, die in Wirklichkeit zwischen Deutsch- 
land und dem Auslande geführt werden, und auch nicht ihr richtiger Inhalt 
in der Skizze wiedergegeben, sondern nur wenige typische Möglichkeiten, aber 
das genügt vollständig, da es uns auf den mathematischen Aufbau der hier vor- 
liegenden Kompensationsmöglichkeit ankommt. Die Kompensationsmöglichkeit kann 
mathematisch nicht anders sein, als sie hier gezeichnet ist, ob der Gesamtsaldo 
groß oder klein, Soll- oder Habensaldo ist, für das Jahr 1913 oder 1927, für 10000 
oder 200000 Firmen, für private oder für Staatsschulden gilt. Wenn nicht zufällig 
die Sollsummen gleich den Habensummen sind — für unsere Zeit.der Reparations- 
zahlung ist das natürlich ganz ausgeschlossen —, so ergibt sich aus der Abrech- 
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