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Was die Steinkohlenlager betrifft, so sind die Donezschen Vorräte
so groß, daß hier keine baldige Erschöpfung eintreten wird. Obwohl
die für die Koksgewinnung brauchbaren Steinkohlenschichten ihrer
Ausdehnung nach nur etwa ein Drittel der Gesamtfläche des Donez-
beckens ausmachen, so sind sie doch groß genug, um bei einer ge
wissen Sparsamkeit für einige Jahrhunderte auszureichen.
Etwas anders steht es mit dem Eisenerze. Als das wichtigste
Eisenerzlager kommt für den Süden die Gegend von Krivoj-Rog
in Betracht. Die Vorräte sind aber hier nicht so groß, um für die
Zukunft ohne Sorgen sein zu können. Die Vorräte -waren hier bis
jetzt nur auf etwa 5 Milliarden Pud geschätzt; diese Ziffer wurde
in der letzten Zeit auf 11415 Millionen Pud in der Schätzung er
höht. Nach der Berechnung der südrussischen Eisenindustriellen
müssen diese Vorräte bei dem gegenwärtigen Verbrauche auf etwa
60 Jahre ausreichen 1 . Die Schätzung ist aber sehr ungenau und
man kann dabei sich nach der einen oder anderen Seite bedeutend
irren. Jedenfalls muß man rechnen, daß die Nachfrage nach den
Krivoj-Rog-Eisenerzen in der nächsten Zeit bedeutend steigen wird;
im Zusammenhänge damit wird auch die Eisenerzfrage für den Süden
mit vollem Ernst auftreten. Ein anderer Ort, der bei der Erschöpfung
der Krivoj-Rog-Eisenerze in Betracht kommen kann, ist die Halb
insel Kertsch. Man schätzt hier die Vorräte auf ungefähr 60 Milliarden
Pud, die für die südrussischen Werke für lange Zeit ausreichen
würden. Die Kertsch-Erze sind aber relativ arm und werden des
wegen kaum einen weiteren Transport vertragen. Damit werden auch
die Produktionskosten bei der Roheisenherstellung bedeutend wachsen,
wenigstens bei denjenigen. Werken, die von der Halbinsel Kertsch
entfernt sind. Alle übrigen Erze im Süden, wie die Donezschen,
die von Korsak-Mogila usw. können aller Wahrscheinlichkeit nach
hier keine selbständige Rolle spielen und künftig wie bisher nur als
Zusatz in Betracht kommen.
Ein anderer Ort, der für die südrussische Eisenindustrie in der
Zukunft eine große Rolle spielen kann, ist der Kaukasus. Die Erze
sind hier noch sehr wenig untersucht; sie sind aber gut und er
strecken sich in großen Massen weithin. Auch die Transportver
hältnisse sind hier wegen der Nähe des Schwarzen Meeres sehr
günstig.
Wir sehen also, daß der zukünftige Bedarf des Südens au
Eisenerzen auf die eine oder andere Weise für eine lange Zeit ge
sichert ist. Wir müssen aber hier konstatieren, daß die Erschöpfung
der reichen Krivoj-Rog-Eisenerzlager für den Süden unbedingt eine
Verteuerung der Selbstkosten, damit aber auch die Verminderung
der Konkurrenzfähigkeit verursachen muß.
1 Eisenerzbergbau, Statist. Sammelb. 1908.