Bestimmung der Stärke.
241
gibt man das Filter in das ursprüngliche Gefäß zurück und erwärmt mit etwa 60 ccm
wässeriger Normalkalilauge auf dem Wasserbade eine halbe Stunde lang unter
öfterem Umschütteln. Bei sehr mehlreichen Stoffen wendet man etwas stärkere
Lauge an, um eine vollkommene Lösung zu erzielen. Nach dem Erkalten säuert
man mit Essigsäure an und bringt zweckmäßig das Volumen der Flüssigkeit auf
100 ccm, wobei man den durch das Filter veranlaßten Fehler vernachlässigt; man
filtriert und fällt in einem aliquoten Teil der Lösung die Stärke mit Alkohol aus.
Der Niederschlag wird auf gewogenem Filter gesammelt, mit 50°/ 0 -igem Alkohol
so lange gewaschen, bis das Filtrat beim Verdampfen auf einem Uhrgläschen einen
Rückstand nicht mehr hinterläßt; sodann verdrängt man den verdünnten Alkohol
roit absolutem, diesen endlich mit Äther und trocknet bei 100° bis zur Gewichtsbeständigkeit.
Die Ausfällung der Stärke ist vollkommen, wenn zur wässerigen Lösung
eine gleiche Menge Alkohol von 95 Gewichts-Prozenten zugesetzt wird, so daß
( 'ie Mischung etwa 50 °/ 0 Alkohol enthält. Wenn die Untersuchungsgegenstände,
'wie z. B. Fleischwaren, neben Stärke auch Glykogen enthalten, so wird dieses mit
der Stärke gefällt, kann aber ebenso wie Zucker davon nach weiteren Angaben von
J- Mayrhofer 1 ) getrennt werden; wegen der Umständlichkeit dieses nur selten in
Betracht kommenden Verfahrens sei auf die Quelle verwiesen.
ß) Verfahren von G. Baumert und H. Bode, 2 ) abgeändert von
D- Witte. 8 ) G. Baumert und H. Bode haben ein im Wesen dem Mayrhofersc
hen ähnliches Verfahren für die Bestimmung des wahren Stärke wertes der Kartoffeln
^gearbeitet, welches H. Witte dann auch für die Bestimmung der Stärke im
6 hl und Stärkemehl ausgebildet hat. Die Vorschrift für letzteres lautet also:
Y Die zu untersuchende Substanz wird zuvor durch ein feines Haarsieb verrieben.
°n Mehl werden zweimal je 1 g im Porzellanbecher mit wenig Wasser fein anuart;
der hierzu benutzte Glasstab wird nötigenfalls zur Entfernung anhängender
i 6n e inem Flöckchen Asbest abgerieben und abgespritzt. Die Becher
en mit Wasser auf gefüllt und, mit dem Deckel (Porzellandeckel mit übergreifendem
%an ) verschlossen, im Dampftopf 2 Stunden bei 4 Atmosphären erhitzt.
Nach dem Abkühlen unter 100 04 j und öffnen wird der Inhalt der Becher
in / Nachspülen und Aus wischen mit einer Federfahne mit heißem Wasser
hier ,me ® eraumi ge Kochflasche umgefüllt, in der sich einige Zinkspäne befinden, und
beiß 1 » 1 ^ Minuten lang gekocht. Die Lösung wird unter sorgfältigem Nachspülen mit
Ein ^ asser in einen Kolben von 500 ccm gebracht, nahezu aufgefüllt und durch
Wo 6 l6n . * n kaltes Wasser unter Umschwenken abgekühlt; sodann wird mit kaltem
PUn S6r ZUr M arke aufgefüllt un( ] g u4 gemischt. Die Lösung wird an der Saug-Eiltr’
1 » ^ Urck e i n nicht zu dickes Asbestplattenfilter filtriert, wobei das zuerst
Pud n ° zw f lmal weggegossen wird (wegen der Verdünnung durch das in Filter
glas ke R n( Riche Wasser); vom Filtrat werden dann je 50 ccm in ein Becher-■^■Sbestes^
0 ™’ ^ ccm elIler 10 °/ 0 -igen Natronlauge und je etwa 1 g feinflockigen
Lie \p ^ verse Wt. Man braucht natürlich nur eine genügende Menge zu filtrieren.
dan a 0Q C O / Un ^ Wlr< l ]I| it je 1.00 ccm 96°/ 0 -igem Alkohol — die Flüssigkeit enthält
kurze Z ■ ° ^kubol — gefällt und mit einem Glasstabe gut verrührt. Man läßt
. 61 a bsitzen und filtriert das Uberstehende durch ein weites Asbestfilterrohr
') Zeitscbr. f. Untersuchung der Nahrungs- 46 i.
2 ) Zeitschr. f, angew. Chemie 1900, 1074 und HU,
8 ) Zeitschr. f. Untersuchung
4 ) Nach etwa 1 / 2 Stunde.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
4, 1101.
der Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 65.
16