die Gegnerschaft gegen den Pool aufgegeben hat,
und daß die kanadische Mühlenindustrie jetzt mit
dem Pool zusammenarbeitet. Das Abkommen sichert
den Pools einen neuen ausgedehnten Markt, der
jährlich mehr als 80 Millionen Bushels aufzuneh—
men in der Lage ist. Die Müller ihrerseits können
nunmehr die Spekulation ausschalten, die in den
Käufen auf Termin lag und Weizen für den Mehl—
export wie zur Deckung des inländischen Verbrauchs
zu angemessenen Preisen kaufen 60).
Die bisher hervorgetretene Verkaufsstatistik der
Poolzentrale war offenbar darauf gerichtet, die Vor—
ratsbildung in den Händen der Spekulanten in den
Einfuhrländern nicht zu begünstigen, um sich dadurch
die Einwirkung auf die Preisbildung im Welt—
markt dauernd zu sichern. Eine solche Taktik macht
unter Umständen die Zurückhaltung starker Vor—
räte in den Händen des Pools notwendig. Wie
bereits dargetan, findet eine solche bis auf weiteres
in den im Lande vorhandenen Lagereinrichtungen
und in der Kapitalkraft der Pools ihre Grenzen.
über die Zeit der neuen Ernte hinaus wird sie sich
zeitlich und der Menge nach wohl kaum erheblich
ausdehnen können. Die Pools werden das Schwer—
gewicht ihrer Tätigkeit hauptsächlich auf den Aus—
gleich der Saisonpreisschwankungen verlegen müssen.
Die Grenzen, die der Marktbeeinflussung durch
den Pool gezogen sind, machen es ihm selbst zur
Pflicht, von sich aus einer Gefahr entgegenzuwirken,
mit der jede Absatzorganisation, die dem Erzeuger
eines Produktes einen auskömmlichen Preis zu
sichern geeignet ist, erfahrungsgemäß zu rechnen
hat. Es ist dies die Gefahr der Steigerung der Er—
zeugung und eine damit herbeigeführte Überfüllung
des Marktes, die die Aufrechterhaltung des von den
Erzeugern gewünschten Preisniveaus nicht mehr
möglich macht. Ein Verkaufskartell pflegt die Pro—
duktion nach Quoten unter seine Mitglieder zu ver—
teilen. Der Pool legt seinen Mitgliedern keine Ver—
pflichtung auf, ihre Erzeugung irgendwie zu be—
schränken oder sich bezüglich der Anbaufläche irgend—
welchen Weisungen des Pools zu unterwerfen. Wie
oben bereits dargelegt, haben die günstigen Preise
der Kriegszeit zu einer merkbaren Vergrößerung der
kleineren landwirtschaftlichen Betriebe und zu einem
fortgesetzten Ansteigen der Anbaufläche gefuͤhrt und
sind die natürlichen Voraussetzungen zu einer Stei—
gerung der Weizenanbaufläche mindestens bis auf
das Dreifache des gegenwärtigen Standes in Kanada
an sich gegeben. Gelingt es dem Pool, dem kana—
dischen Weizen dauernd einen Marktpreis zu sichern,
der dem Erzeuger ein gutes Auskommen läßt, so
ist die Gefahr einer allzu stürmischen Weiterentwick—
lung in der Ausdehnung der Weizenanbaufläche in
Kanada selbst sicher nicht von der Hand zu weisen.
Die Grundlage der gemeinsamen Gewinn- und Ver—
lusttragung, auf der der Pool aufgebaut ist, wird
dieser Organisation vielleicht dauernd ausreichenden
moralischen Einfluß auf ihre Mitglieder und die
übrige Farmerschaft sichern, um nachteiligen Ent—
wicklungen nach dieser Richtung in Kanada vorzu—
beugen. Der dauernde Erfolg der Poolbewegung
esy Deutsche Tageszeitung“ vom 9. Februar 1926 Nr. 66
yängt insofern wesentlich davon ab, wie sich Weizen—
ingebot und nachfrage außerhalb Kanadas ent—
vickeln.
5. Der kanadische Weizenpool und die Frage einer
internationalen Weizenabsatzorganisation
Die Weizenvalorisierung ist ein weltwirtschaftliches
Problem. Man war sich dessen in Kanada auch be—
vußt, hat sich durch diesen Ausblick aber nicht ab—
jalten lassen, die Lösung in Angriff zu nehmen.
da der Weltmarktpreis von Kanada aus allein nicht
gemacht und gehalten werden kann, war das Be—
treben der Gründer und Organisatoren der Pools
son vornherein auf Schaffung einer die Haupt—
»roduzentenländer umfassenden Organisation ge—
ichtet. Das Ziel wurde seit der Gründung nicht
rus dem Auge gelassen. Der geistige Urheber des
Lool⸗Gedankens soll unter den landwirtschaftlichen
Führern der Vereinigten Staten zu suchen sein.
Jedenfalls bestanden dorthin immer enge Verbin—
ungen und ist die „balanced production“,, die dem
Bedarf angepaßte Erzeugung, bereits ein der land—
virtschaftlichen Bewegung der Vereinigten Staaten
geläufiges Schlagwort geworden. Am 12. Novem—
jer 1986 hat in Winnipeg eine Konferenz von Ver—
retern von Erzeugerorgauisationen der Vereinigten
Ztaaten und Australiens mit Poolvertretern statt—
zefunden. Über das Ergebnis ist nichts weiter ir
die Offentlichkeit gekommen, wohl aber wird gemel
»et, daß das beratende Organ der englischen Regie—
rung auf dem Gebiet der Lebensmittelfragen, der
ood Council, dem kanadischen Pool eine lange
»ertrauliche Sitzung gewidmet habe?). Im Sommer
926 haben Direktoren der Pools sich nach Austra—
lien und Argentinien begeben, um in Argentinien
zie Poolbewegung neu ins Leben zu rufen und in
Australien die bereits geschaffenen Ansätze weiter
uszubauen. Zu der Frage der Zukunftsaussichten
ines internationalen Weizenpools nimmt die eng—
iische volkswirtschaftliche Zeitschrift „The Eco-
romist“ in einem Artikel vom 20. Februar 1926
Nr. 4303 in folgender Weise Stellung:
„Die Schwierigkeiten der Schaffung und
Aufrechterhaltung einer Organisation eines
Weizenpools, zu dem jeder Weizenproduzent
auf der ganzen Welt gehören würde, und
der eine gerechtere Gegenleistung für ihre Ar—
beit sicherstellen soll, sind ungeheuer, wenn
nicht unüberwindlich. Die richtige Antwort
auf Befürchtungen bezüglich eines Weltweizen—
pools ist die, daß Weizen mit Leichtigkeit und
mit Erfolg in einer größeren Zahl von Län—
dern erzeugt werden kann, ferner, daß die—
selbe menschliche Arbeitskraft dieselbe land—
wirtschaftliche Technik und die gleichen ma—
schinellen Einrichtungen, die gegenwärtig der
Hervorbringung einer Anzahl anderer land—
wirtschaftlicher Erzeugnisse dienen, mit Leich—
tigkeit auf die Weizenerzeugung eingestellt
werden können, wenn ein Ansteigen der Preise
oder eine künstliche Verknappung ein solches
Vorgehen rechtfertigen. Der Erfolg einer jeg—
709 „Frankfurter Zeitung“ vom 7. Januar 1926. Nr. 16.