Metadata: Denkschrift über die in der Schweiz, Norwegen, Schweden, Kanada und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getroffenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides sowie über die dabei gemachten Erfahrungen

die Gegnerschaft gegen den Pool aufgegeben hat, 
und daß die kanadische Mühlenindustrie jetzt mit 
dem Pool zusammenarbeitet. Das Abkommen sichert 
den Pools einen neuen ausgedehnten Markt, der 
jährlich mehr als 80 Millionen Bushels aufzuneh— 
men in der Lage ist. Die Müller ihrerseits können 
nunmehr die Spekulation ausschalten, die in den 
Käufen auf Termin lag und Weizen für den Mehl— 
export wie zur Deckung des inländischen Verbrauchs 
zu angemessenen Preisen kaufen 60). 
Die bisher hervorgetretene Verkaufsstatistik der 
Poolzentrale war offenbar darauf gerichtet, die Vor— 
ratsbildung in den Händen der Spekulanten in den 
Einfuhrländern nicht zu begünstigen, um sich dadurch 
die Einwirkung auf die Preisbildung im Welt— 
markt dauernd zu sichern. Eine solche Taktik macht 
unter Umständen die Zurückhaltung starker Vor— 
räte in den Händen des Pools notwendig. Wie 
bereits dargetan, findet eine solche bis auf weiteres 
in den im Lande vorhandenen Lagereinrichtungen 
und in der Kapitalkraft der Pools ihre Grenzen. 
über die Zeit der neuen Ernte hinaus wird sie sich 
zeitlich und der Menge nach wohl kaum erheblich 
ausdehnen können. Die Pools werden das Schwer— 
gewicht ihrer Tätigkeit hauptsächlich auf den Aus— 
gleich der Saisonpreisschwankungen verlegen müssen. 
Die Grenzen, die der Marktbeeinflussung durch 
den Pool gezogen sind, machen es ihm selbst zur 
Pflicht, von sich aus einer Gefahr entgegenzuwirken, 
mit der jede Absatzorganisation, die dem Erzeuger 
eines Produktes einen auskömmlichen Preis zu 
sichern geeignet ist, erfahrungsgemäß zu rechnen 
hat. Es ist dies die Gefahr der Steigerung der Er— 
zeugung und eine damit herbeigeführte Überfüllung 
des Marktes, die die Aufrechterhaltung des von den 
Erzeugern gewünschten Preisniveaus nicht mehr 
möglich macht. Ein Verkaufskartell pflegt die Pro— 
duktion nach Quoten unter seine Mitglieder zu ver— 
teilen. Der Pool legt seinen Mitgliedern keine Ver— 
pflichtung auf, ihre Erzeugung irgendwie zu be— 
schränken oder sich bezüglich der Anbaufläche irgend— 
welchen Weisungen des Pools zu unterwerfen. Wie 
oben bereits dargelegt, haben die günstigen Preise 
der Kriegszeit zu einer merkbaren Vergrößerung der 
kleineren landwirtschaftlichen Betriebe und zu einem 
fortgesetzten Ansteigen der Anbaufläche gefuͤhrt und 
sind die natürlichen Voraussetzungen zu einer Stei— 
gerung der Weizenanbaufläche mindestens bis auf 
das Dreifache des gegenwärtigen Standes in Kanada 
an sich gegeben. Gelingt es dem Pool, dem kana— 
dischen Weizen dauernd einen Marktpreis zu sichern, 
der dem Erzeuger ein gutes Auskommen läßt, so 
ist die Gefahr einer allzu stürmischen Weiterentwick— 
lung in der Ausdehnung der Weizenanbaufläche in 
Kanada selbst sicher nicht von der Hand zu weisen. 
Die Grundlage der gemeinsamen Gewinn- und Ver— 
lusttragung, auf der der Pool aufgebaut ist, wird 
dieser Organisation vielleicht dauernd ausreichenden 
moralischen Einfluß auf ihre Mitglieder und die 
übrige Farmerschaft sichern, um nachteiligen Ent— 
wicklungen nach dieser Richtung in Kanada vorzu— 
beugen. Der dauernde Erfolg der Poolbewegung 
esy Deutsche Tageszeitung“ vom 9. Februar 1926 Nr. 66 
yängt insofern wesentlich davon ab, wie sich Weizen— 
ingebot und nachfrage außerhalb Kanadas ent— 
vickeln. 
5. Der kanadische Weizenpool und die Frage einer 
internationalen Weizenabsatzorganisation 
Die Weizenvalorisierung ist ein weltwirtschaftliches 
Problem. Man war sich dessen in Kanada auch be— 
vußt, hat sich durch diesen Ausblick aber nicht ab— 
jalten lassen, die Lösung in Angriff zu nehmen. 
da der Weltmarktpreis von Kanada aus allein nicht 
gemacht und gehalten werden kann, war das Be— 
treben der Gründer und Organisatoren der Pools 
son vornherein auf Schaffung einer die Haupt— 
»roduzentenländer umfassenden Organisation ge— 
ichtet. Das Ziel wurde seit der Gründung nicht 
rus dem Auge gelassen. Der geistige Urheber des 
Lool⸗Gedankens soll unter den landwirtschaftlichen 
Führern der Vereinigten Staten zu suchen sein. 
Jedenfalls bestanden dorthin immer enge Verbin— 
ungen und ist die „balanced production“,, die dem 
Bedarf angepaßte Erzeugung, bereits ein der land— 
virtschaftlichen Bewegung der Vereinigten Staaten 
geläufiges Schlagwort geworden. Am 12. Novem— 
jer 1986 hat in Winnipeg eine Konferenz von Ver— 
retern von Erzeugerorgauisationen der Vereinigten 
Ztaaten und Australiens mit Poolvertretern statt— 
zefunden. Über das Ergebnis ist nichts weiter ir 
die Offentlichkeit gekommen, wohl aber wird gemel 
»et, daß das beratende Organ der englischen Regie— 
rung auf dem Gebiet der Lebensmittelfragen, der 
ood Council, dem kanadischen Pool eine lange 
»ertrauliche Sitzung gewidmet habe?). Im Sommer 
926 haben Direktoren der Pools sich nach Austra— 
lien und Argentinien begeben, um in Argentinien 
zie Poolbewegung neu ins Leben zu rufen und in 
Australien die bereits geschaffenen Ansätze weiter 
uszubauen. Zu der Frage der Zukunftsaussichten 
ines internationalen Weizenpools nimmt die eng— 
iische volkswirtschaftliche Zeitschrift „The Eco- 
romist“ in einem Artikel vom 20. Februar 1926 
Nr. 4303 in folgender Weise Stellung: 
„Die Schwierigkeiten der Schaffung und 
Aufrechterhaltung einer Organisation eines 
Weizenpools, zu dem jeder Weizenproduzent 
auf der ganzen Welt gehören würde, und 
der eine gerechtere Gegenleistung für ihre Ar— 
beit sicherstellen soll, sind ungeheuer, wenn 
nicht unüberwindlich. Die richtige Antwort 
auf Befürchtungen bezüglich eines Weltweizen— 
pools ist die, daß Weizen mit Leichtigkeit und 
mit Erfolg in einer größeren Zahl von Län— 
dern erzeugt werden kann, ferner, daß die— 
selbe menschliche Arbeitskraft dieselbe land— 
wirtschaftliche Technik und die gleichen ma— 
schinellen Einrichtungen, die gegenwärtig der 
Hervorbringung einer Anzahl anderer land— 
wirtschaftlicher Erzeugnisse dienen, mit Leich— 
tigkeit auf die Weizenerzeugung eingestellt 
werden können, wenn ein Ansteigen der Preise 
oder eine künstliche Verknappung ein solches 
Vorgehen rechtfertigen. Der Erfolg einer jeg— 
709 „Frankfurter Zeitung“ vom 7. Januar 1926. Nr. 16.
	        
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