Full text : Die deutschen Getreidezölle

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gestiegen  ist,  daß  die  Ausfuhr  nicht  mehr  Gewinn  bringt,
d.  h.  bis  der  Inlandpreis  dem  Weltmarktpreis  unter  Hinzurechnung ­
  des  Zolls  entspricht.  Die  Beseitigung  des  Identitätsnachweises ­
  bedeutete  also  die  Einführung  einer  Prämie  für
die  Ausfuhr  von  Getreide  mit  der  Tendenz  den  Inlandpreis
um  den  vollen  Zollbetrag  zu  steigern.  Das  ist  auch  im  großen
und  ganzen  so  eingetreten.  Die  Aufhebung  des  Identitätsnachweises ­
  hatte  die  Wirkung,  daß  die  Inlandpreise  bei  Roggen
und  Weizen  unter  dem  Caprivischen  3,50  Mk.-Zoll  tatsächlich ­
  höher  über  dem  Weltmarktpreis  standen,  als  beim  alten
5  Mk.-Zoll.  Aber  die  wenigsten  verstanden  dies;  die  meisten
sahen  nur  die  Herabsetzung  des  Zolles  von  5  Mk.  auf  3,50  Mk.;
und  der  größte  Agitator  Deutschlands  nach  Martin  Luther  und
Friedrich  List,  Fürst  Bismarck,  nahm  diese  Parole  in  die
Hand,  um  Rache  an  seinem  Nachfolger  zu  nehmen.  Es  entstand ­
  der  Bund  der  Landwirte,  von  Bismarck  unterstützt.
Caprivi  fiel.  _
Der  Zolltarif  von  190  2.
Es  entbrannte  jetzt  im  ganzen  deutschen  Lande  die  rücksichtsloseste ­
  Agitation  des  Bundes  der  Landwirte  für  Wiedererhöhung ­
  der  Getreidezölle.  Sie  war  erfolgreich.  Am  25.  Dezember ­
  1902  erhielt  das  deutsche  Volk  zum  Weihnachtsgeschenk
das  unter  Vergewaltigung  der  Geschäftsordnung  vom  Reichstag ­
  beschlossene  Zolltarifgesetz,  das  einen  Mindestzoll  für
Weizen  von  5,50  Mk.,  Roggen  von  5  Mk.,  Malzgerste  von  4  Mk.,
Futtergerste  von  1,50  Mk.  und  Hafer  von  5  Mk.  vom  1.  März
1906  ab  einführte.  Die  Mehrheitspartei  des  Reichstags,  das
Zentrum,  sah  sich  genötigt,  zur  Beruhigung  der  über  die  drohende
Zollbelastung  murrenden  katholischen  Arbeiter  etwas  zu  tun
und  setzte  den  §  15  des.  Zollgesetzes  durch,  nach  welchem
die  Mehrerträge  der  erhöhten  Zölle  auf  Weizen,  Roggen,  Rindvieh, ­
  Schafe,  Schweine,  Schweinespeck,  Mehl  über  die  Erträge
            
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