Full text : Die deutschen Getreidezölle

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gestiegenen  Weltmarktpreise;  sie  standen
und  stehen  wieder  so  hoch,  wie  zur  Zeit
der  höchsten  Getreidepreise  im  19.  Jahrhundert, ­
  wie  in  den  50er  und  im  Anfang  der  70er  Jahre.
Am  9.  September  1911  kostete  nach  den  Preisfeststellungen
des  Deutschen  Landwirtschaftsrates  eine  Tonne  Weizen

in  Berlin

.  .  211,50  Mark

-  New  York  .  .  .

.  .  153,80  -

-  Chicago  .  .  .  .

.  .  143,00  -

-  Liverpool.  .  .  .

.  .  166,20  -

-  Paris

.  .  206,40  -

-  Budapest  .  .  .

.  .  202,40  -

-  Odessa  .  .  .  .

.  .  163,40  -

Dabei  ist  zu  berücksichtigen,  daß  die  Qualität  des  Weizens
in  Paris  und  Budapest,  sowie  an  anderen  Plätzen,  besser  ist
als  in  Berlin,  so  daß  in  Wirklichkeit  die  Preisdifferenz  zwischen
Berlin  und  den  anderen  Plätzen  des  Weltmarkts  noch  viel
größer  ist.  Auch  ist  zu  beachten,  daß  Frankreich  einen  höheren
Weizenzoll  hat  als  Deutschland,  daß  aber  trotzdem  der  Weizenpreis ­
  in  Paris  niedriger  ist  als  in  Berlin.  Der  Grund  ist:  Frankreich ­
  hat  keine  Ausfuhrprämien  für  Getreide.
Noch  toller  zeigen  sich  die  Wirkungen  der  letzteren  angesichts ­
  der  Tatsache,  daß  ungeachtet  unserer  glänzenden
diesjährigen  Roggenernte  die  Preise  für  Roggen  im  September
d.  J.  enorm  gestiegen  sind.  Infolge  unserer  Ausfuhrprämie
und  billiger  Exporttarife  verschleudern  wir  den  deutschen
Roggen  nach  Dänemark  und  Finnland  als  Schweinefutter ;
während  wir  selbst  im  Inland  Not  leiden.  Nach  den  Mitteilungen
eines  Getreidehändlers  wurde  im  September  in  Deutschland
an  der  deutsch-russischen  Grenze  derselbe  Roggen  mit  175  Mkpro
  Tonne  bezahlt,  den  der  Russe  vom  deutschen  Händler
für  125  Mk.  kauft.  Der  Russe  ist  also  in  der  Lage,  den  deutschen
            
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