27
das Maß von Brotgetreide, das für die Familie zur Ernährung
notwendig ist, sie sind gezwungen, zuzukaufen. Nach der
Betriebszählung 1907 sind dies 2 585 217 Betriebe mit Acker
land. Die größeren Betriebe von 2—5 ha = 985 613 Betriebe
erzeugen wohl einige Doppelzentner Getreide mehr, als die
Familie zum Lebensunterhalt braucht, sie verfüttern aber meist
rationellerweise diesen kleinen Überschuß in der Viehwirtschaft.
Ihr Geldgewinn durch erhöhten Getreidepreis ist also besten
falls ein ganz geringer und wird durch die allgemeine Teuerung
des lückenlosen Zolltarif es mehr wie aufgehoben. Auch bei
den mittleren bäuerlichen Betrieben von 5—20 ha (Anzahl
1 050 696 Betriebe) ist die Menge des verkäuflichen Getreides
verhältnismäßig gering, weil außer der Familie noch mehrere
Arbeitskräfte als Brotesser in Betracht kommen, sie beträgt
im Durchschnitt bei einer Ernte von 45,3 Doppelzentnern etwa
30 Doppelzentner. (Normalgetreidebedarf einer Familie etwa
10 Doppelzentner). Bei dieser Betriebsgröße beginnt aber
schon ein direkter Vorteil von den Zöllen. Ganz erheblich
jedoch steigt der Nutzen durch die Brotgetreidezölle bei
den höheren Betriebsklassen 20—100 ha (Zahl 259 475 Betriebe)
und mehr als 100 ha Fläche = 23 262 Betriebe, beim großen
Grundbesitz.
Auch das Interesse an den Zöllen auf Futtergetreide
ist sehr geteilt, geringer beim Bauern, größer
beim Großgrundbesitzer. Und man versteht deshalb
auch, warum sich die führenden agrarischen Kreise jeder
Herabsetzung auch der Futtermittelzölle, die im Interesse der
Vieh Wirtschaft und der Fleischversorgung des Volkes gelegen
wäre, aufs heftigste wider setzen. Der Bauer verkauft die Futter
gerste nur in sehr geringen Mengen; er verbraucht sie meist
m der eigenen Wirtschaft. Für den Verkauf kommt eigentlich
mir der Hafer in Betracht. Wenn man das Durchschnitts
quantum an Hafer, mit dem der Bauer das Pferd füttert, auf