Full text : Die deutschen Getreidezölle

35

dieser  und  anderer  Schutzzölle  zu  zahlen  hat,  ihre  Leistungsfähigkeit ­
  an  den  Staat  erschöpft,  und  das  unausbleibliche
Ergebnis  ist,  daß  es  stets  schwerer  wird,  dem  steigenden
Staatserfordernis  mittelst  Steuern  zu  genügen.  Es  bleibt
dann  nichts  anderes  übrig,  als  Schulden  machen.  Während
cs  den  Engländern  gelungen  ist,  auf  Grund  ihres  den
Prinzipien  des  Freihandels  entsprechenden  Budgets  trotz
enorm  gestiegener  Ausgaben  für  Heer  und  Marine  die  einst
als  fabelhaft  geltende  englische  Staatsschuld  so  zu  mindern,
daß  19ÖB  die  Schulden  von  Staat  und  Gemeinden  in  Großbritannien ­
  und  Irland  nur  mehr  24  082  Millionen  Mark  betragen,
ist  in  Deutschland  bei  einem  dem  Schutzzoll  entsprechenden
Einanzsystem  die  Schuldenlast  von  Reich,  Staaten  und  Gemeinden ­
  von  1871—1909  auf  26,2  Milliarden  Mark  angewachsen. ­

Die  Belastung  der  Konsumenten.
Hohe  Getreidepreise  bedeuten  hohe  Brotpreise.  Das
ist  ziffernmäßig  von  Hirschberg 1 )  an  den  Berliner  Brotpreisen ­
  gezeigt  worden.  Die  Familien,  die  viel  Brot  verbrauchen,
tragen  also  die  Hauptlast  der  Verteuerung.  Je  ärmer  eine
Familie,  um  so  größer  ist  ihr  Brotkonsum.  Und  je  kinderreicher ­
  eine  ist,  um  so  mehr  Brot  braucht  sie  und  um  so  viel
mehr  wächst  die  Last,  die  auf  dem  Brote  liegt.  Am  schwersten
und  drückendsten  ist  also  die  Zollbelastung  gerade  für  die
untersten  Schichten,  die  ärmsten  und  kinderreichsten.
Wie  hoch  ist  sie?
Roncador  berechnet  den  jährlichen  Durchschnitts-Verbrauch
  an  Getreide  bzw.  Mehl  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung
auf  2  Doppelzentner,  für  eine  normale  5  köpfige  Familie  be1 ­

 )  Dr.  Hirse  hberg  (bei  Conrad  Bd.  XC.  der  Schriften  des  Vereins
für  Sozialpolitik,  Seite  111).

3*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.