Full text: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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drückender Mangel an geeigneten Beleuchtungsstoffen geltend 
machte, war es natürlich, dass das Auffinden eines in solcher 
Menge und Güte vorhandenen Brennstoffes den Anstoss dazu gab, 
dass sich schnell Tausende von Existenzen und grosse Kapitalien 
auf die neue hoffnungsreiche und mühelose Erwerbsquelle warfen. 
Das »Oelfieber« begann, wie Pilze schossen die Bohrtürme aus 
der Erde. Die Produktion stieg ausserordentlich rasch, allerdings 
auf Kosten der gesunden Entwicklung. Raubbau und zweckloses, 
unfachmännisches Abteufen standen in voller Blüte. 
Ein kleiner Rückschlag kam bald. Der Konsum hatte sich 
der rapid steigenden Produktion nicht schnell genug angepasst, 
weil das Oel noch ziemlich teuer und auch noch nicht allzu gut 
und gleichmässig raffiniert war. Da brachten die Erfindung neuer 
Raffinationsmethoden, die Erschliessung überaus ergiebiger Fund 
stätten und nicht zum mindesten auch die Verbesserung der Trans 
portmittel (zuerst Holzfässer, doch schon in den 60 er Jahren Rohr 
leitungen, dann (von 1871 ab) eiserne Zisternenwagen) einen neuen 
Anstoss und bewirkten einen abermaligen, diesmal geradezu riesen 
haften Aufschwung der jungen Industrie, der noch dadurch unter 
stützt wurde, dass 1867 C. D. Angell seine Belt-Theorie aufstellte, 
nach der das Erdöl in langen, schmalen Gürteln, von Südwest 
nach Nordost streichend, vorkommt. Jetzt bohrte man nicht mehr 
blind darauf los, sondern konnte die Abteufung mit grösserer 
Gewissheit auf Erfolg vornehmen. 
Weitaus die ergiebigsten und qualitativ besten Quellen wur 
den ,im Staate Pennsylvanien erbohrt. Lima, Ohio etc. waren 
zwar auch damals schon als ölführende Gegenden bekannt, traten 
aber gegen Pennsylvanien ganz in den Hintergrund. In Kali 
fornien und Texas, die jetzt die Hauptmenge der gewonnenen 
Oele liefern, begann die Grossproduktion erst sehr viel später. 
War so im ersten Jahrzehnt die Oelgewinnung auf ein relativ 
kleines Gebiet beschränkt, so befanden sich doch die Unternehmer 
von vornherein in oft unglückseligen Verhältnissen. Jeder durfte 
frei bohren, ein Recht, von dem der weitgehendste Gebrauch ge 
macht wurde. Hundertfach waren die Beispiele, dass ein Unter 
nehmer, ein Abenteurer, über Nacht, durch eine einzige Quelle, sehr 
häufig auch nur durch Grundstücksspekulationen, zum reichen Manne 
wurde. Aber unendlich viel zahlreicher waren die fruchtlosen 
Bohrversuche, und mancher, der einen ergiebigen well erbohrt 
hatte, sah sich um die Früchte seiner Arbeit gebracht dadurch,
	        
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