Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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forschter  Petroleumterrains  verpachtet;  auf  dem  erforschten  sowohl
als  auf  dem  unerforschten  Terrain  ist  innerhalb  eines  bestimmten
Zeitraumes  eine  bestimmte  Anzahl  Sonden  niederzubringen;  ein
Konzessionär  darf  höchstens  drei  Parzellen  erpachten,  jede  auf
Umgehung  dieser  Bestimmung  gerichtete  offene  oder  geheime  Abmachung ­
  soll  null  und  nichtig  sein.  —  Damit  ist  allen  Monopolisierungsgelüsten ­
  ein  Riegel  vorgeschoben,  wenngleich  zu  bemerken
ist,  dass  sich  das  Gesetz  nur  auf  die  zur  Zeit  seiner  Annahme
noch  nicht  verpachteten  staatlichen  Oelländereien  erstreckt;
die  Verfügungsmacht  der  Privateigentümer  bleibt  von  ihm  unberührt.
Ein  weiterer  Schritt  auf  diesem  Wege  ist  die  Gründung  der
nationalrumänischen  Gesellschaft  »Romania«  in  der  zweiten  Hälfte
des  Jahres  1905  mit  einem  eingezahlten  Anfangskapital  von  ca.  2
Millionen  Lei,  das  bis  auf  30  Millionen  Lei  erhöht  werden  soll.
Die  Standard  Oil  Company  liess  sich  natürlich  durch  die  Ablehnung ­
  ihrer  Vorschläge  nicht  abschrecken,  sondern  versuchte,
auf  andere  W'eise  in  Rumänien  einzudringen.  Infolge  der  ihr
feindlichen  Gesinnung  der  Volksvertretung  gelang  ihr  dies  jedoch
erst  Ende  Juni  1904,  in  welchem  Monat  die  von  ihr  gegründete
Societate  Anonima  Romäno-Americana  vom  rumänischen  Appellationsgerichtshof ­
  anerkannt  wurde.  Die  Gesellschaft  legte  sich
gleich  sehr  ins  Zeug,  beschäftigte  sich  schon  Ende  1904  mit  den
Vorbereitungen  zum  Bau  einer  grossen  Raffinerie  und  erwarb  —
alles  bei  einem  Kapital  von  5  Millionen  Frcs  !  —  durch  Aufkauf
der  »Sperantza«  umfangreiche  Oelterrains.  Auch  mit  der  Legung
eines  Rohrleitungsnetzes  und  mit  dem  Aufschliessen  der  erworbenen ­
  Gerechtsame  ist  sie  schon  eifrig  beschäftigt.
Ueber  die  jetzige  Gruppierung  des  Kapitals  in  der  rumänischen
Petroleumindustrie  gibt  Sturdza  auf  S.  91  eine  übersichtliche  Zusammenstellung, ­
  die  ich  S.  40  folgen  lasse.  Wie  aus  ihr  hervorgeht, ­
  entfallen  ca.  63  %  der  investierten  Summen  und  die  vier
grössten  Gesellschaften  auf  Deutschland.  Wir  haben  demgemäss  ein
ausserordentliches  Interesse  daran,  dass  sich  Petroleumproduktion
und  -Handel  Rumäniens  in  zufriedenstellender  Weise  entwickeln.
Dieses  Interesse  verlangt  aber,  dass  die  das  deutsche  Kapital
vertretenden  beiden  Grossbanken  sich  nicht  bekämpfen,  denn  dabei
verliert  jeder  Teil.  Gerade  bei  einem  Handelszweige,  der,  wie  das
Petroleumgeschäft,  in  übermächtiger  Weise  von  einer  fremden
Kapitalistengruppe  beherrscht  wird,  die  auch  die  wenigen  noch
nicht  für  die  Oelgewinnung  herangezogenen  und  von  ihr  abhängigen
            
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