Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

115

Berechnung  des  Wertpapierbesitzes  bis  zum  Ende
des  Jahres  1914  (in  Mill.  Frcs.).

Wertpapiere

französische

ausländische

Im  Jahre  1911
,,  „  1912
„  „  1913
„  „  1914,  I.  Semester  ....
II.  ,.  ....

814,00
2  060,00
2  169,00
547,oo
I  945,oo 1 )

3  782,00
3  081,00
2  758,00
2  212,00

Summe
Plus  H  e  n  g  e  r  sehe  Ziffern

7  535,oo
77  292,00

11  833,00
33  125,00

Gesamtsumme
Dagegen  eine  Schätzung  der  „Neuen
Zürcher  Zeitung“ *  2 )

84  827,00
80  000,00

44  958,00
45  000,00

Zu  dieser  Summe  wäre  noch  der  Betrag  von  den  inoffiziell  in  den
Verkehr  und  Besitz  der  Franzosen  gebrachten  Effekten  zuzurechnen,
der  mit  L  a  c  h  a  p  e  11  e  für  die  Zeit  von  1911—1914  auf  insgesamt
8000,00  Mill.  Frcs.  zu  veranschlagen  ist.
Diese  Aufstellung  in  ihren  absoluten  Zahlen,  die  aus  den  angeführten
Gründen  keinen  Anspruch  auf  volle  Richtigkeit  erheben,  zeigt  deutlich,
daß  der  Effektenbesitz  Frankreichs  an  inländischen  und  insbesondere
an  ausländischen  Wertpapieren  außerordentlich  hoch  ist.  Einige  Vergleichsziffern ­
  mit  England  und  Deutschland  werden  die  Stellung  Frankreichs ­
  als  Gelddarleiher  noch  anschaulicher  zu  charakterisieren  vermögen.
Der  Besitz  an  ausländischen  Effekten  für  die  drei  Staaten  beträgt  schätzungsweise ­
  :
Frankreich  45,00  Milliarden  Frcs.
Deutschland  25,00  ,,  ,,  3 )
England  86,00  „  „  4 )
Uber  den  Anteil  der  fremden  Staaten  an  dieser  Summe  sind  genaue
statistische  Daten  nicht  vorhanden.  Im  Statistique  Annuaire  sind  bis
1900  einige  Angaben  zu  finden,  die  hier  wiedergegeben  werden  mögen
(s.  S.  116).
Woher  schöpfte  Frankreich  diese  hohe  Kapitalkraft,  und
was  bestimmte  vor  allem  die  leitenden  Kreise,  sie  in  Form  von  Anleihen ­
  in  das  Ausland  zu  verlegen  und  nicht  im  Innern  zu  verwenden  ?
Frankreich  ist  ein  von  der  Natur  gesegnetes  Land.  Seine  vortreffliche ­
  geographische  Lage  erzeugt  reiche  Bodenfrüchte,  so  daß  es  zum
Land  des  ständig  wachsenden  Reichtums  wurde.  Die  natürlichen  Kapitalsquellen, ­
  ergiebige  Kohlen-  und  Erzbergwerke,  vortrefflicher  Acker-4
 )  National-Verteidigungs-Wechsel  sind  inbegriffen.
2 )  8i.  November  1914.
3 )  Nach  Helfferich,  Deutschlands  Volkswohlstand  1888—1913.  Berlin  1915
S.  in.  (20  Milliarden  Mk.)
4 )  Nach  Frankfurter  Zeitung:  Sonderabdruck  „Gegen  die  englische  Finanzvormacht“
r 9t5,  S.  15.  (70  Milliarden  Mk.)
            
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