Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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hatte aber im Interesse der Wirtschaftenden den Verpflichteten im 
voraus Nachricht zukommen lassen, daß sie die Besitzerin der jeweilig 
in Frage kommenden Tratte sei und diese zur Einlösung bei ihr bereit 
liege. Es ist dies eine große Arbeit, tausende von Wechseln zu son 
dieren, Nachrichten abzugeben u. v. a. m., die aber Schuldnern wie auch 
Gläubigern große Erleichterungen schafft und von reichlichem Erfolge 
gekrönt wird. 
Innerhalb zweier Kriegsjahre wurden bei der Notenbank amortisiert: 
Bestand am i. Oktober 1914 .... 4476,00 Mill. Frcs. 
Bestand am 3. August 1916 .... 1438,00 „ „ 
Amortisationssumme 3038,00 Mill. Frcs. 
Über die nähere Zusammensetzung des Moratorium-Wechselbestan 
des sind keine Anhaltspunkte vorhanden. Es wäre aber für eine restlose 
kritische Würdigung dieser immerhin erstaunlichen Leistungsfähigkeit 
der Schuldner, über die Qualität des gesamten Wechselmaterials usw., 
notwendig und interessant zu kennen, welchen Anteil am Gesamtbeträge 
und dann an der Amortisationssurame die Banken und Privaten — hier 
wiederum spezialisiert nach der Höhe der Wechselsummen — haben. 
Kombinationen können die positiven Zahlen nicht ersetzen. Und so 
überrascht es auch Wenig, daß alle Voraussagungen in den Zeitungen 
und auch der Fachpresse 1 ), nach denen die Liquidation dieses Wechsel 
portefeuilles wenigstens ein halbes Dutzend Jahre beanspruchen sollte 
und einen Verlust von 6—8 % erzeugen dürfte, nicht eintreten werden. 
Der erste Teil der Behauptung ist durch die Tatsache der steten Ab 
nahme widerlegt und damit der zweite in Frage gestellt. Zudem hat 
die französische Regierung durch die Zusicherung eines Amortisations 
fonds — 2 % vom Zinsendienst des Staates für die Vorschüsse der Noten 
bank dienen als Deckung möglicher Verluste aus dem Wechselbestande — 
für den zweiten Teil eine Ausfallgarantie übernommen. Es ist nach 
allem somit kaum anzunehmen, daß die Notenbank erhebliche Verluste 
erleiden Wird. 
Die Notenbank hat in den letzten Jahren vor Kriegsausbruch eine 
sorgfältige und methodische Goldansammlung verfolgt, um eine 
immer breitere Basis für die Emission außergewöhnlicher Notenmengen 
zu gewinnen. Auch sie beachtete, wie eine jede Zentralnotenbank der euro 
päischen Staaten, die finanziellen Maßnahmen der anderen Notenbanken 
und alle Zeichen von möglichen politischen Verwicklungen, die zum Kriege 
führen könnten. Sie ging von der Erwägung aus, daß sie sich gegen 
alle Möglichkeiten und Erschütterungen am besten dadurch schützt, 
wenn sie ihre Goldreserven erheblich stärkt. Seit Beginn des Jahres 
1 ) Vgl. z. B. unter der neuesten Kritik u. a. auch H. Koppe, a. a. O. S. 740: 
Koppe vergleicht die Moratoriumswechsel mit einer Ware, „die das Liegen nicht ver 
trägt“ und fährt weiter wörtlich fort: „Wie die Vermögenslage der Schuldner dieser „effets 
prorogfe“ nach Friedensschluß sein wird, ist höchst fraglich. Die Bank wird jedenfalls 
starke Verluste an diesen Papieren haben, und ihre Lage ist daher, soweit sie mit solchem 
Wechselmaterial belastet ist, unerquicklich.“
	        
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