Object: Deutschlands chemische Industrie

Aber auch die Schwerindustrie benutzt den Wasser 
stoff unter Zuführung überschüssigen Sauerstoffs als 
unentbehrliches Werkzeug, wenngleich nicht zum Ver 
binden, sondern zum Trennen von Eisenteilen. Hierbei 
ist man nicht auf dünne Wandstärken beschränkt, viel 
mehr gelingt es, 40 cm dicke Panzerplatten exakt, wie 
mit einer Säge, zu zerschneiden. Unter bedeutender Er 
sparung von Zeit und Geld findet dieses Schneidver 
fahren beim Zurichten von eisernen Trägern, von Eisen 
konstruktionen, beim Hochbau, Maschinen-, Brücken- 
und Schiffbau die mannigfachste Anwendung.*) 
Von anderen Verwendungen des komprimierten 
Wasserstoffs mag noch die Reduktion seltener Metalle, 
wie Osmium, Wolfram und Tantal, in der Industrie der 
Metallfadenlampen erwähnt werden, von denen in 
Deutschland jetzt täglich mehrere 100 000 Stück ange 
fertigt werden.**) 
Von besonderem Interesse aber ist seine Anwendung 
zur Erzeugung synthetischer Edelsteine. Das von Frank 
reich stammende Verfahren wurde in Deutschland von 
H. Wild und A. Miethe aufgenommen und wird gegen 
wärtig von den Elektrochemischen Werken in Bitter- 
*) Beide Verfahren wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts von 
der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron in die Technik ein 
geführt. 
**) In Deutschland wurden hergestellt: 
1911 1912 
Metallfadenglühlampen 47 211 892 Stück 76 185 721 Stück 
Kohlenfadenglühlampen 24 791 196 „ 20 975 348 „ 
Glühkörper für Gaslampen 126 050 954 „ 135 320173 „ 
Brennstifte für Bogenlampen 10 740 025 kg 11 093154 kg 
Die hieraus schöpfende Leuchtmittelsteuer für das Deutsche 
Reich ergab für das Jahr 1912 16150 348 M. (Chem. Ind. 1913. 
36. 669.) 
Metallfaden 
lampe 
Künstliche 
Edelsteine 
Lepsius: Deutschlands Chemische Industrie. 
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