33 (S. 48) Bis in die letzten Tage vor dem 1. Oktober war das Erscheinen
der Rheinischen Volkshalle zweifelhaft gewesen; denn im Sep
tember war auch in Köln, nachdem man noch am 14. bis 16. August unter
Anwesenheit des Königs Friedrich Wilhelm IV. und des Reichsverwesers
Erzherzog Johann das großartige Fest der sechsten Jahrhundertfeier der
Grundsteinlegung zum Dome feierlichst begangen hatte, die Revolution
ausgebrochen. Am 25. September war es zwischen Volk, dem auch die
Bürgerwehr teilweise beigestanden hatte, und Militär bei Barrikaden zu
gelinden Zusammenstößen gekommen. Am nächsten Tage verhängte der
neu ernannte Regierungspräsident von Möller den Belagerungs
zustand über die Stadt und verbot das Weitererscheinen der vier
demokratischen Blätter: der „Neuen Rheinischen Zeitung“, des „Wächters
am Rhein“, der „Zeitung des Arbeitervereins“ und der „Neuen Kölnischen
Zeitung“. Da diese Zeitungen den Versuch machten, unter anderen Titeln
wiederzuerstehen, untersagte der Festungskommandant unterm 29. Sep
tember dasErscheinen aller politischen Blätter mit Ausnahme derKölnischen
Zeitung und des Fremdenblatts. Geeignete Vorstellungen erreichten dann
in elfter Stunde noch die Erlaubnis für die „Rheinische Volkshalle“, das
Licht der Welt zu erblicken.
3 * (S. 49) Müller hatte schon ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich. Mit
27 Jahren war er zum Landrat des Kreises Euskirchen gewählt, aber
zweimal von der Regierung nicht bestätigt worden, worauf er 1833 dem
preußischen Staatsdienst entsagte. Zur Verteidigung des Erzbischofs
Clemens August im Kölner Kirchenstreit schrieb er 1837 ohne Namens
nennung eine Darstellung, 1838 ebenfalls namenlos die „Beiträge zur
Beleuchtung der Kölnischen Kirchen-Angelegenheit“ unter dem Titel
„Clementina“, 1841 als „H. M.“ eine Erwiderung auf die Schrift „Personen
und Zustände (Michelis-Binterim-Droste)“ unter dem Titel „Die Kölnische
Kirche im Mai 1841“. 1838 war er nach Bayern geflohen und hatte 1840
eine rechtswissenschaftliche Professur an der Hochschule in Würzburg
erlangt. Viel Aufsehen hatten seine 1839 ohne Angabe des Druckers und
Verfassers erschienenen politischen Lieder; „Kölner Lieder, gedichtet am
Rhein nach der Gefangennahme des Erzbischofes“ und „Kölnische Orgel
lieder“ gemacht.
36 (S.50) Der damals im 50. Lebensjahre stehende geistvolle Journalist Franz
von Florencourt hatte Rechts- und Staatswissenschaft studiert und
war, obgleich Protestant, sowohl im Kölner Kirchenstreit als auch in
dem aus Anlaß der Ausstellung des hl. Rockes in Trier im Jahre 1844
entstandenen Rongestreit auf die Seite der Katholiken getreten. Seine
beiden Schwäger waren der preußische Minister von Westphalen und
— Karl Marx!
36 (S. 51) Heinrich Reusch, 1825 in Brilon i. Westf. als Sohn eines Amts
schreibers geboren, studierte Theologie in Bonn, Tübingen und München