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wieder behauptet, die Rationalisierung sei nur ein Vorwand für Lohn-
druck und Arbeiterabbau: Sie haben in allen(?) Ländern die Arbeits-
losigkeit emporgeschnellt (aus Amerika und selbst aus Deutschland
liegen gegenteilige Statistiken vor). Immerhin wurde auch von diesen
ablehnenden Referenten anerkannt, daß die Rationalisierung, die in-
folge der Inflation eingerissene »Lässigkeit« im Betriebe zu bekämpfen
und die notwendigen technischen Fortschritte rascher nachzuholen
bestimmt sei, Doch verfiel man dann wieder in den extrem ab-
weisenden Ton: durch die rationelle Betriebsorganisation werde dem
Arbeiter sein letztes an Arbeitskraft herausgepreßt, der Arbeiter werde
an die Kette gelegt u. a. (Man ersehe die arge Übertreibung dieser
Reden aus den Berichten, die oben über deutsche Arbeiter bei
Ford mitgeteilt wurden!) Doch lenkte man wieder ein; starre Ab-
jehnung, ähnlich wie seinerzeit die Maschinenstürmerei, wäre das
Unrichtigste; richtiger sei es, aus der größeren Ergiebigkeit der
Rationalisierung für die Unternehmer auch Verbesserungen für die
Arbeiter, ihrer Lebenshaltung, höheren Arbeiterschutz, bessere Betriebs-
hygiene, mehr Erholungspausen u. a. herauszuholen; es gelte, die
Lehren der Arbeitswissenschaft anzuwenden: Einverstanden!
Was übrigens jenen Vorwurf betrifft, die Rationalisierung sei nur
ain Vorwand für Lohndruck, so scheint hier, vielleicht unbeabsichtigt,
eine Verwechslung von Stücklohn und Tagesverdienst (Wochen-
lohn) vorzuliegen:! infolge der Rationalisierung kann jener sehr wohl
niedriger ausfallen, ohne daß deshalb auch dieser niedriger werden
müßte, ja er kann sehr leicht größer als früher werden. Und es ist
ebenso unrichtig, wenn behauptet wurde, in Deutschland gehe der
Lebenshaltungsindex (Reallohn) beständig herab, in gleicher Weise
wie der Lohnanteil an den Produktionskosten sinke — was steige,
sei nur die Profitrate; Rationalisierung und Konzentration seien nur
danach angetan, die Gegensätze zwischen Arbeit und Kapital zu
verstärken, zu schweren Konflikten zu führen, zumal die Unternehmer
die Arbeiter in die alte Rechtlosigkeit zurückstoßen wollen usw. (Ab-
geordneter Domes). Wir bedauern aufrichtig, daß diese Aussprüche
gefallen sind — nicht etwa deshalb, weil sie mit den tatsächlichen
Verhältnissen auf dem Gebiete der Rationalisierung in Widerspruch
i Selbst ein so sehr links stehendes Blatt wie der »Morgen« sprach davon,
daß höhere Löhne, also mehr innere Kaufkraft, notwendig sei, die aber nicht durch
Streiks und Lohnbewegungen, sondern durch Rationalisierung und technische Ver-
vollkommnung der Betriebe erreicht werden müsse.