Full text: Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

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„Unsere Schifîahrtseinrichtungen zu entwîckein, unsere 
Verkehrsmittel zu vervollkomrnnen, unsere Zollfôrmlichkeiten 
zu vereinfachen, das müssen die leitenden Grundsatze unserer 
Wirtschaîtspolxtik sein,“ 4 * j , 
Und es îst tatsâchlich viel nach dieser Richtung hin bei uns 
getan worden, und die erzielten Ergebnisse haben voîlkommen 
die Opfer gerechtfertigt, die Belgien sich um dessentwiîlen 
auferlegt hat, 
Aber es hatte mehr getan werden kônnen, und die Ergeb- 
nisse würden noch augenscheinlicher sein, wenn die Partei- 
politik nicht eine so hervorragende Rolle gespieît batte, Sie 
machte ihren EinfluB auf ailes geltend, was zum ôîfentlichen 
Leben in Beziebung stand; sie beherrschte aile Interessen, 
So hielt der damalige Abgeordnete und spatere Minister 
Renkin es für angebracht, an die religiôsen Gefühle der 
Katholiken zu appellieren, um sie für die Regierungsvorlage 
zur Ausbreitung des Antwerpener Hafens zu gewinnen 6 ), des- 
selben Hafens doch, von welchem der Minister Van den Peere- 
boom in der Kammer gesagt hatte; „. . , das Interesse Ant- 
werpens, das sich mit allen groBen Interessen des Landes 
deckt . • . Aber es ist der Auîschwung des Landes, der mit 
demjenigen Antwerpens verknüpft ist! Und wenn man nôtigen 
Falles 150, 200 Millionen für Antwerpen ausgeben wird, wird 
man Gold saen fiir's ganze Land.“ “) 
Dieser verhangnisvolîe EinfluB der Parteipolitîk hat sich 
dermaBen im Lande ausgebreitet und verâstelt, daB nichts sich 
ihm entzîeht, Ihm ist ailes unterworfen: die Besetzung von 
Stellen in der Verwaltung, die Eisenbahntariîe (inlandischer 
Transport), der Bau von Kanalen usw. usw. In der Anwendung 
von Grundsâtzen entspringt daraus ein Mangel an Zusammen- 
hang und logischem Geist, den unsere Nationaiokonomen, u. a. 
De Leener in seiner interessanten Studie „La politique des 
transports en Belgique", ins Licht gestellt und bekampft haben. 
Es ist also unumganglich notig, daB in Zukunft aile Ver- 
waltungsabteilungen, denen die Leitung oder Ausbeutung wirt- 
schaftlicher Faktoren zufallt, dem Einflusse der poîitischea 
4 ) Ch. de Lannoy, La Belgique pays de transit. 
6 ) Renkin, Anvers; Les installations maritimes etc. 1905, p. 34, 
6 ) Rede im Abgeordnetenhaus, Sitzung 1905.
	        
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