Full text: Ferdinand Lassalle

149 
uns und erklärten uns eintönig die Merkwürdigkeiten 
der Stadt. Au anderer Aeit würde diese Eintönigkeit 
Lassalle außer sich gebracht haben, er würde sicher die 
Führer fortgejagt und alles selbst erklärt haben; aber jetzt 
schwieg er die ganze Aeit, war sehr blaß und schien ent 
weder zerstreut oder dann wieder wie konzentriert mit 
einem ihn verfolgenden Gedanken beschäftigt. Ich hörte 
ihn einigemal tief aufseufzen und begegnete zuweilen 
seinen mit sonderbarem Ausdruck auf mich gerichteten 
Blicken. 
Alles dies dauerte bis zum Mittag des zweiten Tages 
unseres Aufenthalts in Köln. Während des Mittag 
essens, obschon er nichts angerührt und die ganze Aeit 
über geschwiegen hatte, belebte sich sein Antlitz, die 
Augen begannen wieder zu glänzen, und sein ganzes 
schönes, edles Gesicht nahm den Ausdruck eines festen, 
unerschütterlichen Entschlusses an. Es schien, als ob er 
sich vorgenommen habe, etwas zu tun, und daß keine 
Macht ihn von diesen! Entschluß abbringen solle. Ich 
war der Überzeugung, daß ich der Entwicklung einer 
neuen Tat oder Idee, die im Geiste dieses seltenen 
Mannes entstanden war, beiwohne. Ich konnte es aber 
nicht übers Herz bringen, ihn zu fragen, was er in diesen 
zwei Tagen gedacht, geschaffen habe. Ich glaubte, daß 
er selbst es nicht werde unterlassen können, es mir als 
seiner Freundin zu sagen. In der Tat, er sagte es selbst. 
Aber wie weit ich davon entfernt war, zu ahnen, was 
in der Seele dieses Menschen vorging, bewies meine voll 
ständige Verwirrung, als er, zufällig mit mir allein, schnell 
an das Fenster, an dem ich stand, herantrat und plötz 
lich, gänzlich unerwartet für mich, mir seine grenzenlose,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.