Full text : Ferdinand Lassalle

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und  er  fürchtete  die  Leidenschaft  Lassalles  für  mich;
es  schien  ihm  unmöglich,  daß  ich  solche  Leidenschaft  nicht
mit  ganzer  Seele  erwidern  würde.  Ich  muß  gestehen,
mir  selbst  schien  es  befremdend,  fast  unbegreiflich,  daß
ich  seiner  Liebe,  seinem  Flehen  gegenüber  gleichgültig
bleiben  konnte.  Ich  dachte  lange  darüber  nach  und  kam
endlich  zu  dem  Schluß,  daß  ich  mir  selbst  unverständlich ­
  sei,  und  daß  es  unmöglich  sei,  die  Liebe  eines
solchen  Mannes  nicht  mit  Gegenliebe  zu  erwidern;
daß  ich  entweder  dieses  Gefühl  nicht  verstehe,  nicht
verstehen  könne,  oder  daß  die  Liebe  in  mir  noch  nicht
ausgegangen  sei.  Einmal  schien  es  mir,  als  ob  es  unmöglich ­
  sei,  seine  Gefühle  abzuwehren,  dann,  nach
einigen  Minuten,  schien  es  mir  noch  unmöglicher,  seine
Liebe  anzunehmen.
Am  Abend  tranken  wir  alle  den  Tee  bei  der  Gräfin,  die,
wahrscheinlich  von  Lassalle  eingeweiht,  meinen  Vater  in
einem  Winkel  des  Zimmers  mit  dem  Durchblättern  von
Kupferstichen  beschäftigte.  Kaum  war  ich  mit  Lassalle  allein
am  Teetisch  (er  war  sehr  blaß  und  hatte  ein  sehr  ermüdetes ­
  Aussehen),  als  er,  mit  erstickter  Stimme,  flüsternd,
um  meine  Antwort  bat.  Er  sah  mich  mit  so  viel  Liebe
an,  erwartete  niit  solcher  Angst  meine  Antwort,  daß  er
mir  leid  tat  und  ich  antwortete,  daß  ich  ihn  vielleicht  lieben
werde.  Aber  ich  sagte  es  so  ruhig,  so  kalt,  daß  es  mir  in
demselben  Moment  schien,  als  ob  es  nie  der  Fall  sein  würde.
Während  er  fragte,  hatte  er  meine  Hand  ergriffen.
Nach  meiner  Antwort  ließ  er  sie  sofort  los,  sein  Antlitz
wurde  noch  bleicher  und  nahm  einen  solchen  kalten
Ausdruck  an,  daß  es  mich  erschreckte,  und  ich  bemerkte
ihm,  daß  er,  wie  es  schiene,  mit  meiner  Antwort  nicht
            
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