ich aus einem etwas anderen als dem gewöhnlichen
Egoismus mich entschließen, Ihre Existenz nicht mit
der meinigen zu verbinden, um Sie nicht unglücklich zu
machen, da ich dadurch selbst elend und unglücklich
werden würde, denn ich würde dadurch das stolze Selbst
gefühl, diese innere Einheit, welche die Stütze meines
Lebens ausmacht, zertrümmern.
Stellen Sie sich dies alles vor — und Sie werden
begreifen, weshalb, als Sie mir das Geständnis einer
zweifelnden und unsicheren, schwachen und schüchternen
Liebe machten, ich nicht „ein wenig kalt", wie Sie
geglaubt und gesagt haben, sondern im Zustande einer
nervösen Aufregung war.
Ich war gereizt und hart gegen Sie, weil Sie
mich nicht genug liebten, aber ich war nicht kalt aus
Mangel an Liebe meinerseits.
Ich hatte in jenem Augenblicke sozusagen ein feind
liches Gefühl Ihnen gegenüber, weil Sie mich so viel
liebten, um mich in Unruhe zu versetzen, aber nicht
genügend, um mir die Gewißheit zu geben, die ich
haben muß, daß Sie mich stark genug lieben, um diese
Liebe auch annehmen zu können.
Es bedurfte indes nur eines kurzen Nachdenkens, um
eine Minute nachher meine Meinung zu ändern. Damit,
daß ein so keusches und züchtiges Mädchen wie Sie
einem Manne freiwillig gesteht, „daß sie ihn vielleicht
lieben wird", ist es bewiesen, daß sie ihn schon
ganz liebt. Ich sagte mir, daß der Zweifel nur in der
Keuschheit Ihres Ausdrucks, nicht in der Grundlage
Ihrer Gefühle lag.
Und in dieser Voraussetzung schreibe ich Ihnen das
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