Full text: Ferdinand Lassalle

ich aus einem etwas anderen als dem gewöhnlichen 
Egoismus mich entschließen, Ihre Existenz nicht mit 
der meinigen zu verbinden, um Sie nicht unglücklich zu 
machen, da ich dadurch selbst elend und unglücklich 
werden würde, denn ich würde dadurch das stolze Selbst 
gefühl, diese innere Einheit, welche die Stütze meines 
Lebens ausmacht, zertrümmern. 
Stellen Sie sich dies alles vor — und Sie werden 
begreifen, weshalb, als Sie mir das Geständnis einer 
zweifelnden und unsicheren, schwachen und schüchternen 
Liebe machten, ich nicht „ein wenig kalt", wie Sie 
geglaubt und gesagt haben, sondern im Zustande einer 
nervösen Aufregung war. 
Ich war gereizt und hart gegen Sie, weil Sie 
mich nicht genug liebten, aber ich war nicht kalt aus 
Mangel an Liebe meinerseits. 
Ich hatte in jenem Augenblicke sozusagen ein feind 
liches Gefühl Ihnen gegenüber, weil Sie mich so viel 
liebten, um mich in Unruhe zu versetzen, aber nicht 
genügend, um mir die Gewißheit zu geben, die ich 
haben muß, daß Sie mich stark genug lieben, um diese 
Liebe auch annehmen zu können. 
Es bedurfte indes nur eines kurzen Nachdenkens, um 
eine Minute nachher meine Meinung zu ändern. Damit, 
daß ein so keusches und züchtiges Mädchen wie Sie 
einem Manne freiwillig gesteht, „daß sie ihn vielleicht 
lieben wird", ist es bewiesen, daß sie ihn schon 
ganz liebt. Ich sagte mir, daß der Zweifel nur in der 
Keuschheit Ihres Ausdrucks, nicht in der Grundlage 
Ihrer Gefühle lag. 
Und in dieser Voraussetzung schreibe ich Ihnen das 
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