6 Großmann, Laffalle
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gewähren und morgen mir den Trümmern ihres Schiff
bruches alles bedecken, auö dem Wege.
Nicht ohne tiefe Melancholie glaube ich Ihre Antwort
vorauszusehen! Ja, Sie glauben, daß Sie es können.
Eine so edle Natur wie die Ihre hat den Glauben an
sich selbst. Aber deshalb hat sie noch nicht die nötigen
Kräfte, um in langer Prüfungszeit diesen Glauben zu
betätigen! „Viele sind berufen, wenige sind auserwählt,"
so sagt die Heilige Schrift. Welche frische, kühne und
edle Natur, vor einem Berge stehend, fühlt nicht Kraft
genug in sich, den Gipfel zu erreichen, um von dort
aus sich an dem prachtvollen Schauspiel einer unbe
grenzten Aussicht hoch über dem Niveau der Dinge zu
erfteuen! Alle Hindernisse werden besiegt und der
Gipfel erreicht! Nur Feiglinge bleiben zurück!
Aber nun beginnt das Steigen, viele und viele Stunden;
man klimmt immer weiter empor; die Kräfte erlahmen
mehr und mehr, die Brust zieht sich zusammen, der
Atem stockt. Und immer neue Felsen versperren den
Weg; neue Abgründe, neue scharfe Steine, an denen
Ihr Fuß strauchelt!
Ach, Sophie, ich will nicht von den schwachwerdenden
Naturen sprechen, welche umkehren; aber wie viele
kühne und edle Naturen bleiben liegen, zerschlagen
und tot durch die Mühsal des Weges! Den Gipfel
erreichen nur die, welche sozusagen physische Geistes
kraft haben.
Übrigens wenn Sie mir sagen, daß Sie Vertrauen
zu Ihren Kräften haben, so werde ich es auch haben,
und glauben Sie mir, es wird eine kräftige Hand sein,
die Sie auf diesem Wege unterstützen wird!