Full text: Ferdinand Lassalle

165 
häufig sogar Personen mit einem leichten Anflug von 
Liberalismus — fürchtet und haßt mich. Die andere 
Partei, zu welcher der übrige Teil der Bourgeoisie und 
das Volk gehört, achtet, liebt mich, verehrt mich sogar 
nicht selten. Für diese bin ich ein Mann von größtem 
Genie und von einem fast übermenschlichen Charakter, 
von dem sie die größten Taten erwarten. Jene, die 
Feinde, erwarten wohl auch große Taten von mir. Aber 
eben deshalb, weil sie mich mehr fürchten als irgend 
jemand anders, hassen sie mich so unbeschreiblich, daß ich 
Ihnen keinen richtigen Begriff von diesem alles ver 
schlingenden Haß geben kann. 
Sie suchen mich fortwährend zu verfolgen. Es ist 
wahr, auch meine Feinde achten mich innerlich ebenso 
sehr wie meine Freunde, häufig sogar noch mehr, weil 
sie mich noch besser erraten. 
Aber gerade deshalb, weil sie mich im geheimen achten, 
haben sie immer gesucht, mich um so mehr zu verleumden; 
denn Verleumdung ist die einzige Waffe dieser ange 
faulten Parteien, welche den langsam sich herannahenden 
Tod in sich selbst fühlen. Ich schritt immer mit erhobener 
Stirn daher, mit Verachtung auf den Lippen, mit der 
Waffe in der Hand, immer siegreich, stets die Lüge nieder 
schmetternd, die Verleumdung verwirrend, über den 
Haß triumphierend. Aber dadurch habe ich noch mehr 
Haß auf mich gehäuft, der um so wütender ist, als er 
immer machtlos gegen mich war, und weil ich aus allen 
gegen mich gerichteten Angriffen immer reiner und 
glänzender hervorgegangen bin. Sie wissen es ja, 
Sophie, daß nichts den Haß mehr nährt als Ohnmacht 
und Niederlage.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.