Full text: Ferdinand Lassalle

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So rezitierte ich fast laut und fuhr dann leiser fort: „Ich 
glaube, diese Festung wird am besten mit Sturm ge 
nommen." 
„Du bist ein Engel!" rief der Doktor, schleppte mich 
zu Madame N. und fing nun dort an, sich liebenswürdig 
zu machen. 
Man fuhr zu Kroll. Gegen 6 Uhr kam man zurück 
und ging in die Vorderstube, wo der Tisch gedeckt stand. 
Auf allgemeines Verlangen ging Dr. Shiff zum Klavier. 
Bis dahin hatte ich noch gar nicht geglänzt, mir auch 
nichts mit Madame N. zu tun gemacht, weil ich sehr 
große Zahnschmerzen hatte. Als man aber zum Souper 
ging, Madame N. sich aufs Sofa setzte, Shiff seinen 
Stuhl hart ans Sofa rückte, so setzte ich mich zur anderen 
Seite der N. aufs Kanapee, indem ich selbst aufforderte, 
diese Ungebühr zu bemerken. Nun nahmen wir, Shiff 
und ich, diese N. ins Kreuzfeuer. Der Doktor ist geist 
reich, also gegen diese Seite konnte ich nichts ausrichten. 
Ich sprach auch an diesem Abend gut. Shiff hörte mir, 
wenn ich redete, minutenlang zu und sagte dann: „Fer 
dinand, du bist gar nicht bitter." Er sagte dies aber 
so langsam und ernst, daß er es wirklich zu glauben 
schien. 
Madame N. brach nun in eine Wut von Kompli 
menten gegen mich aus. Später drehte sich Shiff gegen 
meine Schwester und sagte zu ihr: „Ihr Bruder ist 
geistreich, und dies sehr." „Wer zweifelt daran?" er 
widerte sie prätentiös. 
Plötzlich sagte Shiff zur N.: „Madame, ich hätte Sie 
als Braut sehen mögen!" „Ich bin so glücklich gewesen, 
Doktor!" rief ich begeistert aus. „Und nie werde ich den
	        
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