Full text: Ferdinand Lassalle

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Lassalle dessen reiche Einrichtung vor, indem er zu be 
weisen suchte, daß Lassalle sein ganzes Vermögen den 
Arbeitern überlassen und selbst in ihre Reihen treten 
müsse. Lassalle antwortete ruhig; verächtlich und iro 
nisch ihn anblickend, sagte er, daß er dazu keine Not 
wendigkeit sahe, und daß dies eher ein schädliches Mittel 
sei; daß er eben an seinem Platze und vermittels seiner 
Umgebung mehr Nutzen bringen könne, und daß er hoffe, 
die Arbeiter würden es bald vollständig einsehen lernen, 
wie sehr ihre Arbeit von Leuten wie sein Schwager 
erploitiert werde. Ihr Streit dauerte noch eine Weile 
in dieser Weise fort, endlich empfahl sich Lassalles 
Schwager sehr trocken, wahrscheinlich weil er bemerkt 
hatte, auf wessen Seite unsere Sympathie war, eilte 
er aus dem Kabinett, ohne sich von Lassalle zu ver 
abschieden, und fuhr davon. 
„Ist er wirklich fortgefahren?" fragte ich Lassalle, 
„und wird er nicht wieder zu Ihnen kommen?" 
„Er wird schon wiederkommen, solche Leute kommen 
immer wieder, obschon er mich gründlich haßt." 
Bei dieser Gelegenheit erzählte uns Lassalle von ihm 
folgenden Vorfall. 
Der Schwager Lassalles hatte die Gasbeleuchtung 
Prags übernommen und zog dorthin. Er richtete sein 
Haus luxuriös und elegant ein, um enipfangen zu 
können, und haschte nach Popularität unter der Prager 
Geburts- und Finanzaristokratie. Es gelang ihm, indem 
er sorgfältig seine jüdische Abstammung verheimlichte, 
in die höheren administrativen Kreise Prags einzu 
dringen. Einst gab er ein Festdiner, an dem die ganze 
Prager vornehme Welt teilnahm. Au diesem Diner
	        
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