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Die Stunde, die über mein Leben entscheidet
München, 10. August, Freitag nachts
Alles, alles hängt also von dem Ausgang dieser einen
Stunde ab, die über mein Leben entscheidet. Jetzt würde
sogar nicht einmal ein inkonvenabler Schein auf Helene
zurückfallen, wie früher an jenem Mittwoch abends.
Denn jetzt nach jenen Vorgängen, nach der furchtbarsten
gegen sie verübten Gewalt, nachdem sich sogar das
oberste Ministerium in München in Bewegung gesetzt
hat, um durch eine so auffällige Demarche diese Gewalt zu
brechen und ihr ihre Freiheit wiederzugeben, nach^allem
diesen kann sie auch in den Augen der Welt das ohne den
geringsten Vorwurf tun, was damals ganz anders war.
Wenn sie umgekehrt vor dem Notar „Nein" erklärt,
so ist das grenzenloseste Ridicule die Folge dieses mit
solcher Mühe errungenen offiziösen Kommissariats, so
ist jede weitere Hilfe für mich vernichtet, kurz, so hat
mir die Undankbare und Treulose selbst den Dolch in
diese treue Brust gerannt! Ich falle dann mit ihrem
und durch ihrem Willen, ein furchtbares Denkmal davon,
daß ein Mann sich nie an ein Weib ketten soll. Ich falle
dann durch den entsetzlichsten Verrat, die schnödeste
Felonie, welche die allsehende Sonne je geschaut hat.
Alles, alles, alles hängt also an dem Gewicht dieser
einen Stunde!
Ihnen fällt also die wichtigste, folgenschwerste Aufgabe
zu: Helene, ehe dieser momont, supreme naht, wieder
fest zu machen.
Endlich erhielt Oberst Rüstow von Helene eine Antwort an
Lassalle.