Full text: Ferdinand Lassalle

249 
Die Stunde, die über mein Leben entscheidet 
München, 10. August, Freitag nachts 
Alles, alles hängt also von dem Ausgang dieser einen 
Stunde ab, die über mein Leben entscheidet. Jetzt würde 
sogar nicht einmal ein inkonvenabler Schein auf Helene 
zurückfallen, wie früher an jenem Mittwoch abends. 
Denn jetzt nach jenen Vorgängen, nach der furchtbarsten 
gegen sie verübten Gewalt, nachdem sich sogar das 
oberste Ministerium in München in Bewegung gesetzt 
hat, um durch eine so auffällige Demarche diese Gewalt zu 
brechen und ihr ihre Freiheit wiederzugeben, nach^allem 
diesen kann sie auch in den Augen der Welt das ohne den 
geringsten Vorwurf tun, was damals ganz anders war. 
Wenn sie umgekehrt vor dem Notar „Nein" erklärt, 
so ist das grenzenloseste Ridicule die Folge dieses mit 
solcher Mühe errungenen offiziösen Kommissariats, so 
ist jede weitere Hilfe für mich vernichtet, kurz, so hat 
mir die Undankbare und Treulose selbst den Dolch in 
diese treue Brust gerannt! Ich falle dann mit ihrem 
und durch ihrem Willen, ein furchtbares Denkmal davon, 
daß ein Mann sich nie an ein Weib ketten soll. Ich falle 
dann durch den entsetzlichsten Verrat, die schnödeste 
Felonie, welche die allsehende Sonne je geschaut hat. 
Alles, alles, alles hängt also an dem Gewicht dieser 
einen Stunde! 
Ihnen fällt also die wichtigste, folgenschwerste Aufgabe 
zu: Helene, ehe dieser momont, supreme naht, wieder 
fest zu machen. 
Endlich erhielt Oberst Rüstow von Helene eine Antwort an 
Lassalle.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.