Full text : Leben und Lehre des Buddha

VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus

Sobald  Buddha  einen  größeren  Kreis  von  Jüngern  um  sich
gesammelt  hatte,  war  die  notwendige  Folge,  daß  er  dieser  Gemeinde ­
  Gesetze  gab.  Wir  sahen  (S.  34,  39),  daß  Buddha  schon
selbst  mit  Unzufriedenen  und  Aufrührern,  zu  kämpfen  hatte.  Er
wird  also  selbst  frühzeitig  die  Notwendigkeit  empfunden  haben,
durch  bestimmte  Vorschriften  das  Leben  innerhalb  der  Gemeinde
zu  regeln.  Die  Vorschriften,  die  uns  erhalten  sind,  stammen  aus
sehr  verschiedener  Zeit.  Als  ältester  Kern  sondert  sich  eine  kurze
Sammlung  aus,  die  den  Namen  Prütiinokon  (Pali  Pätimokkha)
  führt  und  ihrem  Inhalte  nach  in  der  Hauptsache  wohl
direkt  auf  Buddha  selbst  zurückgeht.  Das  Prätiwoksu  ist,  wenn
nicht  das  älteste  aller  buddhistischen  Werke  überhaupt,  jedenfalls
eines  der  ältesten.  Es  zerfällt  in  zwei  Teile  mit  zusammen  zehn
kurzen  Abschnitten,  ein  Prätimoksa  für  die  Mönche  und  eins  für
die  Nonnen.  Jeder  Abschnitt  beginnt  mit  den  schwersten  Vergehen ­
  und  gibt  an,  welcher  Art  der  Verschuldung  sich  der  Mönch
oder  die  Nonne  dadurch  schuldig  machte,  und  welche  Strafe  darauf
steht.  In  jüngeren  Texten  werden  diese  Vorschriften  ergänzt  und
erläutert,  und  zwar  werden  neue  Bestimmungen  durchweg  in  der
Weise  getroffen,  daß  der  Erlaß  eines  Gebotes  oder  Verbotes  an
ein  bestimmtes  Ereignis  angeknüpft  wird.  Die  Hauptsünder  sind
sechs  Mönche  und  sechs  Nonnen,  „die  Sechszahl",  die  offenbar
erfunden  sind,  um  die  Entstehung  der  Gebote  und  Verbote  historisch ­
  zu  begründen.
Buddha  hat,  wie  erwähnt  worden  ist  (S.  29  f.),  von  Anfang  an
ganz  besonderes  Gewicht  darauf  gelegt,  seine  Lehre  durch  Sendboten ­
  zu  verbreiten.  So  waren  seine  Mönche  über  ganz  Indien
und  über  die  Grenzen  von  Indien  hinaus  zerstreut.  Viele  hatten,
weit  von  Buddhas  Aufenthalt  entfernt,  eigene  kleine  Gemeinden
gegründet,  auf  die  sich  Buddhas  Einfluß  unmöglich  erstrecken
konnte.  So  gab  es  schon  zu  Buddhas  Lebzeiten  in  Wahrheit
nicht  eine  Gemeinde,  sondern  sehr  viele  Gemeinden.  Solange
ANuG  109:  Pis  cheI,  Leben  und  Lehre  des  Buddha.  2.  Ausl.  7
            
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