Full text : Leben und Lehre des Buddha

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VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

der  im  ersten  Jahrhundert  vor  Chr.  ein  weites  Reich,  darunter
auch  einen  großen  Teil  von  Indien,  beherrschte.  WieAsoka  bei
den  südlichen  Buddhisten,  so  ist  Kaniska  bei  den  nördlichen  der
gefeierte  Glaubensheld.  In  der  ersten  Zeit  seiner  Regierung  war
er  dem  Buddhismus  feindselig  gesinnt.  Später  wurde  er  ein
eifriger  Buddhist  und  machte  Kaschmir  zu  einem  Hauptsitze  des
Buddhismus.  Die  Chinesen  berichten,  daß  er  in  den  wenigen
freien  Stunden,  die  ihm  die  Regierungsgeschäfte  ließen,  eifrig  die
heiligen  buddhistischen  Schriften  studierte  und  sich  dieselben  von
dem  Ältesten  Uärsvika  nach  dem  Systeme  von  dessen  Schule  auslegen ­
  ließ.  Kaniska  errichtete  zahlreiche  buddhistische  Bauwerke
und  prägte  auf  seinen  Münzen  das  Bild  des  Buddha  mit  Umschrift. ­
  Er  war  ein  Freund  indischer  Bildung.  Als  Leibarzt
hatte  er  Oaraka,  einen  der  berühmtesten  indischen  Ärzte,  dessen
Werk  auf  uns  gekommen  ist,  und  an  seinem  Hofe  lebte  Asvagdosa,
der  Dichter  des  Luäällaoarita,  „LebenBuddhas",  des  ältesten  uns
erhaltenen  Kunstepos  der  Inder  (S.  18).  Kaniska  war  es,  der
das  vierte  Konzil  berief,  um  die  Lehre  Buddhas  in  ihrer  Reinheit
wiederherzustellen.  Das  Konzil  fand  statt  in  einem  Kloster  bei
llälanällara  in  Kaschmir  unter  dem  Vorsitz  der  Patriarchen  ?arsvikaund
  Vasumitra.  Auch  auf  diesem  Konzile  sollen  die  heiligen
Schriften  einer  Revision  unterzogen  worden  sein,  bis  zu  welchem
Umfange,  läßt  sich  nicht  sagen.  Ebenso  ist  es  nicht  sicher,  in  welcher
Sprache  dieser  Kanon  abgefaßt  war.  Jedenfalls  war  die  Sprache
nicht  Pali,  ob  Sanskrit  oder  Oatba-Dialekt  oder  irgendeine  andere ­
  Sprache,  ist  noch  nicht  auszumachen.  Die  versammelten
Priester  sollen  auch  Kommentare  zu  den  drei  Teilen  des  Tripitaka
verfaßt  haben,  die  Kaniska  sorgfältig  auf  Kupferplatten  eingraben
und  in  einen  steinernen  Behälter  legen  ließ,  über  dem  er  einen
Stupa  erbaute.
Eine  Zentralgewalt  schuf  auch  dieses  Konzil  nicht.  Die  Spaltung ­
  in  Sekten  ging  weiter.  Um  194  nach  Chr.  gründete  Nägärjuna
  eine  Schule,  die  im  Norden  bald  großen  Anklang  fand  und
die  dortigen  Buddhisten  in  zwei  Lager  teilte.  Die  neue  Lehre
nannte  sich  Mahäyäna,  „das  große  Fahrzeug";  die  ihr  nicht  Folgenden ­
  dagegen  bezeichneten  sich  als  Anhänger  des  Hinayäna,  be§
„kleinen  Fahrzeuges".  Der  Name  kommt  daher,  daß  die  Anhänger
des  Mahäyäna  danach  strebten,  als  Bodhisattva  wiedergeboren  zu
werden,  also  „die  große  Karriere"  machen  wollten,  während  die
des  Hinayäna  nur  ihre  eigene  Erlösung  suchten,  sich  also  mit  „der
            
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