Metadata: Die Volkswirthschaftslehre

70 Buch 1. Kap. 2. Entwickelungsgang der Bolkswirthschaftslehre. 
welche die Lage der vermögensloseren Bevölkernngsschichten 
zn einer minder glücklichen machen; ilnd vermeinen die Wirt 
lichkeit durch nach Gutdünken getroffene Einrichtmtgen, durch 
erdachte Organisationen, verbessern zu können. 
Derartige Parteien pflegen ziemlich übercinstiiiunend den 
Gedanken zu hegen, daß die neuzeitliche wissenschaftliche Wirth 
schaftslehre sich ans bloßes Schematisiren der durch eine falsche 
Praxis herbeigeführten Wirklichkeit beschränke. Mit dieser sei 
unausbleiblich das Uebel verbunden, daß nur wenige Bevor 
zugte sich materiellen Wohlstandes, der Grundlage alles Glücks, 
erfreuten, während die große besitzlose Masse kaum die Mittel zur 
Befriedigung ihrer nothwendigsten Bedürfnisse zu erarbeiten ver 
möge. Die bestehenden politischen und socialen Zustande seien 
im höchsten Grade ungerecht und deshalb nachdrücklichst zu be 
kämpfen. Die Hauptursachen der zu beseitigenden wirthschaftlichen 
Uebelstände werden in verschiedenen, infolge des natürlichen Ent 
wickelungsganges gewordenen Umständen gesucht, z. B. theils im 
Bestehen des Privateigeuthums und dessen weiteren Folgen, dem 
Erbrecht und dem Handel, theils im Gebrauche des Geldes und 
der dadurch erleichterten Anhäufung des Kapitals, neuerdings 
vorzugsweise in der „jetzigen Productionsweise", dem Lohn- 
systeme. Die zur Verbesserung der Wirklichkeit gemachten Vor 
schläge aber laufen darauf hinaus, daß durch das eine oder andere ' 
Radikalmittel die Lage der Besitzlosen („Enterbten"), insbesondere 
der auf ihrer Hände Arbeit angewiesenen Lohnarbeiter, günstiger 
gestaltet werden soll. 
Im Uebrigen weichen die Anschauungen der Communisten 
und Socialisten mehrfach von einander ab. Es bestanden 
daher auch, wenigstens ursprünglich, wesentliche Unter 
schiede zwischen den Forderungen und den behtffs deren 
praktischer Verwirklichung aufgestellten Organisativnsplaneir 
jener und dieser. 
Der an sich tiefer stehende Cominunisinus faßte jederzeit 
die Idee der Freiheit und Gleichheit im materiellsten und radi 
kalsten Sinne auf, während der weit schwärmerischere Socialismus 
Zunächst eine gemäßigtere, weniger auf gänzlichen Umsturz, als 
mehr nur auf durchgreifende Reform des Bestehenden ausgehende 
Richtung einschlug.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.