Full text : Leben und Lehre des Buddha

18

III.  Das  Leben  des  Buddha.

worden  sei.  Er  wies  aber  seinen  Neffen  Nälaka  auf  dies  Ereignis
hin  und  bestimmte  ihn  zu  einem  Jünger  Buddhas.  Diese  Erzählung
kennt  auch  dieMckäuakatllä,  ferner  Asvaghosa,  der  Verfasser  des
Luäckllaoarita,  „Leben  des  Buddha",  der  im  1.  Jahrhundert  vor
Chr.  unter  König  Kaniska  lebte,  der  Lalitavistara  und  das  Mahävastu.
  Sie  gehört  also  zu  dem  ältesten  Bestände  der  Lebensbeschreibungen ­
  des  Buddha.  Ihre  Ähnlichkeit  mit  der  Erzählung  von
Simeon,  die  uns  Lukas  2,  25—36  berichtet,  ist  längst  bemerkt
worden.  In  einigen  Punkten  weichen  beide  Erzählungen  allerdings
voneinander  ab.  Besonders  ist  hervorzuheben,  daß  Asita  erklärt,
er  werde  sterben,  ehe  das  Kind  Buddha  geworden  sei,  Simeon  dagegen ­
  die  Prophezeiung  erhalten  hat,  daß  er  nicht  eher  sterben  werde,
ehe  er  Jesus  gesehen  habe.  Aber  der  Unterschied  ist  doch  geringer
als  die  Übereinstimmung.  Hier  wie  dort  ist  es  ein  Greis,  der  auf
wunderbare  Weise  zu  dem  neugeborenen  Kinde  kommt,  es  aufhebt
und  sich  glücklich  preist,  daß  er  das  Kind  noch  gesehen  hat.  Eine
Entlehnung  ist  hier  sehr  wahrscheinlich,  und  der  Weg  ist  jetzt  nicht
mehr  so  schwer  nachzuweisen  wie  früher.
Die  Durchforschung  von  Turkestan  durch  Sven  Hedin  und
Stein  im  Süden,  Klementz,  Grünwedel  und  v.  Lecoq  im  Norden, ­
  hat  ergeben,  daß  sich  dort  alle  Religionen  auf  dem  Wege  nach
China  zusammendrängten.  Die  Trümmerstätten  weisen  auf  eine
alte  buddhistische  Mission  hin.  Bilder  und  Bauten  buddhistischen
Ursprungs,  buddhistische  Handschriften  und  Blockdrucke  finden  sich
überall.  Nach  China  ist  die  erste  Kenntnis  des  Buddhismus  am
Ende  des  ersten  vorchristlichen  Jahrhunderts  allerdings  aus  Nordindien ­
  direkt  gekommen.  Die  stetige  Ausbreitung  der  buddhistischen
Religion  in  China,  die  wir  von  der  Mitte  des  ersten  Jahrhunderts
nach  Chr.  ab  verfolgen  können,  erklärt  sich  aber  nur  aus  der  Verbindung ­
  mit  Turkestan.  Hier  muß  der  Buddhismus  schon  früher
festen  Fuß  gefaßt  haben,  wahrscheinlich  seit  dem  Beginn  der  christlichen ­
  Zeitrechnung.  Wir  hören  von  Mönchen,  die  zwischen  76  und
88  n.  Chr.  buddhistische  Bücher  aus  Turkestan  nach  China  brachten,
und  im  dritten  Jahrhundert  stand  der  Buddhismus  in  Turkestan
in  voller  Blüte.  In  Baktrien  ist  er  schon  im  2.  Jahrhundert  vor
Chr.  nachweisbar.  Ferner  saßen  in  Turkestan  Zoroastrier,  was
uns  direkt  überliefert  ist.  Auch  haben  sich  Bruchstücke  von  Handschriften ­
  zoroastrischen  Inhalts  dort  gefunden.  Eine  große  Rolle
spielten  dann  dort  die  Manichäer.  Mäni,  der  Stifter  des  nach
ihm  benannten  Religionssystems,  soll  um  215  nach  Chr.  in  Mar-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.