Full text: Die Social-Demokratie

Y. 
Der Klaffenhaß und die Social-Dcmokratie. 
Inhalt: Ursachen der Unzufriedenheit. Steigerung der Bedürf. 
nisie. Arbeitsertrag. Die Liebe. Predigten des Haffes. 
Keine Versöhnung. Klassenkampf, à la Marat. 
Es ist eine nicht zu bestreitende Thatsache, daß unsere 
Zeit einen ungetrübten Frieden zwischen den verschiedenen 
Gesellschaftsklassen nicht kennt. Die sociale Frage weist uns 
auf ein gestörtes Verhältniß zwischen den oberen und den 
niederen Schichten unseres Volkes hin; sie hat die Gestalt 
eines auf deutschem Boden bis jetzt noch in unblutiger Weise 
geführten socialen Krieges, in welchem sich die zahlreiche Klaffe 
der Besitzlosen und die minder große Zahl der Besitzenden 
als streitende Parteien gegenüberstehen. Es wäre kurzsichtig 
und ungerecht, die Ursache dieses socialen Zerwürfniffes aus 
schließlich in der social -demokratischen Agitation zu suchen. 
Wären keine Verhältnisse vorhanden, welche bei der niederen 
Klaffe Unzufriedenheit und ein gewisses Maß von Erbitterung 
nothwendig erzeugen müssen, dann würde es der Social- 
Demolratie ein gut Theil schwerer fallen, die Aufmerksamkeit 
der Massen auf sich zu ziehen. So aber gelingt es ihr, die 
große Maffe der Unzufriedenen, die von der socialen Lage 
irgendwie gedrückt, oder wohl gar in ihrer Existenz bedroht 
werden, bei denen zu deni allgemeinen Gefühl, daß es so 
nicht weiter gehen könne, das specielle Bedürfniß einer Ab 
hilfe von dem einen oder dem anderen Uebelstande sich gc- 
E chuster, Die Social-Trmokratie. 8
	        
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