REKLAME DURCH LICHT
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seine Eindrücke von der New Yorker Lichtreklame wie folgt:
„Am Broadway, in der Nähe der Theater- und Vergnügungs-
lokale, flammt jedes Haus von oben bis unten in Hundert-
tausenden farbigen Lampen auf. Das flimmert, glitzert, läuft,
rollt und springt, daß dir die Augen weh tun. Da fällt vom
zwanzigsten Stock ein Pfeil herab und zeigt dir, wo du deine
Stiefel kaufen sollst. Ganz oben am Dach ziehen drei Eskimo-
buben einen Schlitten mit einer großen, brennenden Flasche,
ein vierter Eskimo schwingt die Peitsche, das Nordlicht flammt
in allen Regenbogenfarben auf, alles rührt und bewegt sich
und hebt sich strahlend vom dunklen Nachthimmel ab. Auf
ainem anderen Hausdach erscheint eine Figur, wird immer
größer und schmaucht mit wohlbehaglichem Schmunzeln eine
Zigarre, pafft den Rauch von sich, und dies alles machen auto-
matisch sich einschaltende Lichtkörper. Riesengroße bemalte
Flächen, größer wie bei uns eine Hausfront, stehen oben auf
den Dächern, so grell beleuchtet, daß man jedes Wort im zwan-
zigsten Stock droben lesen kann. Ein Meer von Lichtern.“
Der suggestiven Macht der Lichtreklame bedient man sich
in den amerikanischen Geschäftskreisen in weitestem Umfange.
Es werden dafür Unsummen ausgegeben. Was für Einnahme
die Stadt New York aus der Lichtreklame hat, ersieht man
daraus, daß die Reklame einer einzigen Firma an Lichtstrom
über 100.000 Dollar jährlich verschlingt.
Es wird wohl noch viel Rhein-, Elbe- und Donauwasser ins
Meer fließen, bis unsere Lichtreklame auf der Höhe der ameri-
kanischen angelangt sein wird. Aber der Hotel- und Fremden-
heimbesitzer, wie überhaupt jeder Inhaber einer größeren Gast-
stätte, wird doch gut tun, sich der Wahrheit des Satzes zu er-
innern, daß man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen
soll. Im Gegenteil! Man stecke den Gästen beziehungsweise den
Leuten, die es werden sollen, ein recht helles Licht auf! Man
bediene sich der Lichtreklame wieder innerhalb des Rahmens,
der diesen Betrieben durch die Natur gezogen wurde.
Wenn ich vor dem Weltkriege von einer meiner vielen Reisen
wieder zu den heimischen Penaten zurückkehrte, grüßte mich
schon in der Lößnitz, jenem gesegneten Vorortgelände von
Dresden, das dessen Bewohner mit köstlichem Spargel, pur-
purnen Riesenerdbeeren und wundervollem Obst versorgt, im
nächtlichen Dunkel ein freundlicher, heller Lichtschein. „Bilz“
schrie es in die schwarze Nacht hinaus. Bilz ist das Sanatorium