Full text : Leben und Lehre des Buddha

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VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Zusammenkunft  des  Königs  mit  dem  buddhistischen  Weisen  Nägasena.
  Bei  Beginn  ihres  langen  Gespräches  fragt  Mgasena  den
König,  ob  er  zu  Fuß  oder  zu  Wagen  gekommen  sei?  Der  König
sagt,  er  gehe  nicht  zu  Fuß;  er  sei  zu  Wagen  gekommen.  Nägasena
  fordert  ihn  darauf  auf,  anzugeben,  was  der  Wagen  sei.  „Ist
die  Deichsel  der  Wagen?  Oder  die  Achse?  Oder  die  Räder?
Oder  der  Wagenkasten?  Oder  der  Fahnenstock?  Oder  das  Joch?
Oder  die  Zügel?  Oder  die  Peitsche?  Oder  Deichsel,  Achse,  Räder,
Wagenkasten,  Fahnenstock,  Joch,  Zügel,  Peitsche  zusammen?"  Milinda ­
  muß  alle  Fragen  verneinen  und  zugeben,  daß  „Wagen"
nur  ein  Wort  sei,  daß  es  in  Wahrheit  keinen  Wagen  gebe.  Nägasena
  beruft  sich  zum  Schluffe  auf  Verse,  die  die  Nonne  Vajrä
(Pali  Vajirä)  vor  dem  Herrn  gesprochen  habe:  „Wie  nach  Znsammenbringung
  der  Teile  das  Wort  dafür  „Wagen"  ist,  so  ist,
wenn  die  Skandhas  vorhanden  sind,  der  Sprachgebrauch  dafür
„ein  Wesen".  Oldenberg  hat  zuerst  die  Verse  im  Kanon  nachgewiesen. ­
  Das  Beispiel  ist  also  alt.  Auch  das  „Wesen"  oder,  wie
gewöhnlich  gesagt  wird,  das  „Selbst",  also  das  „Ich",  ist  nichts
Bleibendes.  Wiederholt  belehrt  Buddha  seine  Zuhörer,  daß  unwissende, ­
  ungläubige  Menschen  seit  undenklichen  Zeiten  die  Ansicht
gehabt  haben:  „Das  ist  mein;  das  bin  ich;  das  ist  mein  Selbst",
daß  aber  der  wissende,  gläubige  Mensch  sich  bei  Betrachtung  aller
Dinge  sagt:  „Das  ist  nicht  mein;  das  bin  ich  nicht;  das  ist  nicht
mein  Selbst".  Wie  von  allen  andern  Dingen,  gelte  dies  auch  von
der  eigenen  Persönlichkeit.  Es  heißt  einmal:  „Wenn  zum  Beispiel,
ihr  Mönche,  ein  Mensch  in  diesem  Jetavana  Gras,  Holz,  Aste,
Laub  nähme  oder  verbrenne  oder  je  nach  Bedürfnis  verwendete,
würde  euch  der  Gedanke  kommen,  der  Mensch  nimmt  oder  verbrennt ­
  oder  verwendet  je  nach  Bedürfnis  uns?"  „Nein,  o  Herr!"
„Warum  nicht?"  „Es  ist  nicht  unser  Selbst  und  gehört  nicht  uns."
„So  auch,  ihr  Mönche,  gehört  das  Körperliche,  die  Empfindung,
die  Wahrnehmung,  die  Samskäras,  das  Vijfiäna  nicht  euch.  Gebet
sie  auf!  Sie  werden  euch  nichts  zum  Heil  und  Glück  nützen.",
Dabei  entstand  die  Frage,  ob  denn  der  Mensch  nach  dem  Tode
derselbe  bleibe  oder  ein  anderer  werde,  eine  Frage,  die  für  die
Lehre  von  der  Wiedergeburt  und  damit  von  der  Vergeltung  nach
dem  Tode  von  entscheidender  Wichtigkeit  ist.  Im  Milindapanha
stellt  Milinda  diese  Frage  direkt.  Mgassna  antwortet,  es  sei  weder
derselbe  noch  ein  anderer,  und  sucht  dies  durch  eine  Reihe  von
Vergleichen  zu  beweisen,  von  denen  der  folgende  als  Beispiel  dienen
            
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