Full text : Leben und Lehre des Buddha

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VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

Eng  damit  verbunden  ist  der  dritte  Satz:  „Aus  der  Denksnbstanz
entsteht  Name  und  Form".  „Name  undForm"  (ldlamarupa)  ist  von
alter  Zeit  her  der  Name  für  „Individuum",  „Einzelwesen".  So  heißt
es  in  der  Uwadaka-IIpaaisad:  „Wie  die  Flüsse,  wenn  sie  in  den
Ozean  fließen,  Namen  und  Form  verlieren  und  verschwinden,  so
geht  der  Weise,  wenn  er  Namen  und  Form  verloren  hat,  im  höchsten
himmlischen  Geiste  auf."  Das  8arnkbya  und  der  Yoga  haben  diese
Bezeichnung  nicht.  Statt  seiner  gebrauchen  sie  Ahamkära,  „das
Jchmachen,"  „die  Annahme  eines  Ich,  einer  Individualität".  Das
Sämkhya  läßt  aber  den  Ahamkära  aus  der  Buddhi  entstehen,
wie  der  Buddhismus  l^ämaräpa  aus  dem  der  Budddi  parallelen ­
  Yijääna.  An  der  Identität  kann  also  nicht  gezweifelt  werden.
Der  vierte  Satz  ist:  „Aus  Namen  und  Form  entstehen  die  sechs
Organe."  Die  sechs  Organe  sind  die  fünf  Sinne  und  der  Geist
(Nauas),  sowie  ihre  äußere  Gestalt.  Sowohl  im  Sämkhya  wie
im  Buddhismus  werden  diese  noch  im  einzelnen  spezialisiert,  was
aber  hier  nicht  in  Betracht  kommt.  Der  vierte  Satz  besagt  nichts
weiter  als:  „Nachdem  das  Individuum  sich  theoretisch  gebildet,
tritt  es  durch  Beilegung  der  Organe  praktisch  in  die  Erscheinung."
Der  fünfte  Satz:  „Aus  den  sechs  Organen  entsteht  die  Berührung," ­
  und  der  sechste:  „Aus  der  Berührung  entsteht  die  Empfindung," ­
  führen  den  im  vierten  Satz  ausgesprochenen  Gedanken  weiter.
Die  sechs  Organe  treten  nach  ihrer  Erschaffung  mit  den  Objekten
in  Beziehung.  Innenwelt  und  Außenwelt  berühren  sich,  und  daraus ­
  entsteht  als  siebenter  in  der  Reihe  der  „Durst",  d.  h.  wie  wir
gesehen  haben,  der  Wille  zum  Leben,  die  Lebenslust.  Buddhistisch
ist  nur,  daß  gerade  der  Name  „Durst"  ausschließlich  gebraucht  wird.
Auch  der  Yoga  hat  aber  diesen  Ausdruck  in  ganz  gleichem  Zusammenhange, ­
  wenn  er  auch  häufiger  „Lebenslust"  und  „Wunsch"
gebraucht.
Der  achte  Satz  lautet:  „Aus  dem  Durste  entsteht  das  Haften
(Upadäna),"  nämlich  das  Haften  an  der  Existenz,  das  Befangenbleiben ­
  im  Durste,  das  Hängen  an  den  weltlichen  Dingen,  an  den
Freuden  dieser  Welt.  Das  Sämkhya  gebraucht  für  „Haften"  den
Ausdruck  „Tugend  und  Laster"  (Bharmädharrnau),  was  im
Grunde  ganz  dasselbe  ist.
Ganz  übereinstimmend  ist  wieder  der  neunte  Satz:  „Aus  dem
Haften  entsteht  das  Werden  (Bhava).''  Für  Bhava  hat  das
Sämkhya  Samsyti,  „Kreislauf  der  Geburten".  Dafür  wird  sonst
gewöhnlich  Samsara  gebraucht,  und  dies  ist  ein  Synonymum  von
            
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