Full text : Leben und Lehre des Buddha

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Yl.  Die  Lehre  des  Buddha.

auch  diese  drei  Tiere  nicht  mehr  geschlachtet  werden."  Deutlich
spricht  von  der  Sinnesänderung  des  Königs  auch  das  dreizehnte
Edikt,  in  dem  er  die  Grausamkeiten  tief  bedauert,  die  er  früher
bei  der  Eroberung  des  Landes  Kalinga  begangen  hatte.
Das  erste  Gebot  wird  aber  von  den  Buddhisten  auch  noch  so
verstanden,  daß  man  den  lebenden  Wesen  in  jeder  Hinsicht  Schonung
angedeihen  lassen  müsse.  Das  zweite  EdiktAsokas  lautet:  „Überall ­
  im  Reiche  des  göttergeliebten  Königs  Priyadarsin  und  bei  seinen
Nachbarn  .  .  .  .,  überall  hat  der  göttergeliebte  König  Priyadarsin
zwei  (Arten  von)  Heilstätten  einrichten  lassen,  Heilstätten  fürMenschen
und  Heilstätten  für  Tiere.  Wo  es  keine  für  Menschen  und  Tiere
zuträglichen  Kräuter  gibt,  da  hat  er  sie  überall  hinschaffen  und  anpflanzen ­
  lassen.  Ebenso  wo  es  keine  Wurzeln  und  Früchte  gibt,
hat  er  sie  hinschaffen  und  anpflanzen  lassen.  An  den  Straßen  hat
er  Bäume  Pflanzen  und  Brunnen  graben  lassen  zum  Gebrauche
für  Tiere  und  Menschen."  Überall  in  buddhistischen  Ländern  wird
die  Pflicht  der  Nächstenliebe  auf  die  Tiere  ausgedehnt.  Einen  hervorragenden ­
  Anteil  an  dieser  weitgehenden  Sorge  für  die  Tiere
hat  ohne  Zweifel  die  Lehre  von  der  Seelenwanderung.  Man  war
ja  nie  sicher,  ob  nicht  in  einem  Tiere  augenblicklich  die  Seele  eines
Verwandten  wohne.
Das  erste  Gebot  fordert  also  zugleich  die  weitgehendste  Nächstenliebe. ­
  Und  so  ist  keine  Religion  der  Erde  toleranter  gewesen  als
der  Buddhismus,  der  den  geraden  Gegensatz  zum  Islam  bildet.
Allein  von  allen  großen  Religionen  hat  er  sich  nie  durch  das  Schwert,
nie  durch  Gewalt  auszubreiten  gesucht.  Der  Buddhist  hält  zwar
seine  Religion  für  die  beste,  aber  er  läßt  auch  andern  ihren  Glauben.
Diese  Toleranz  zeigt  uns  das  zwölfte  Edikt  Asokas:  „Der  göttergeliebte ­
  König  Priyadarsin  ehrt  alle  Religionsgemeinschaften,  ob
sie  wandernde  oder  ansässige  sind,  durch  Geschenke  und  mannigfache ­
  Ehrenerweisung.  Aber  der  Göttergeliebte  legt  nicht  so  großes
Gewicht  auf  Geschenke  und  Ehrenerweisung  als  darauf,  daß  das,
was  ihre  Eigentümlichkeit  bildet,  gedeihe.  Das  Gedeihen  der  Eigentümlichkeit ­
  aller  Religionsgemeinschaften  ist  vielartig,  die  Grundlage ­
  dazu  aber  ist  Vorsicht  in  der  Rede,  daß  man  nämlich  nicht
die  eigene  Religionsgemeinschaft  hochpreist  oder  andere  Religionsgemeinschaften ­
  schmäht  oder  ohne  Grund  (die  Vorsicht  in  der  Rede)
gering  achtet,  sondern  daß  man  bei  gegebener  Veranlassung  fremde
Religionsgenieinschaften  ehrt.  Wenn  man  bei  gegebener  Veranlassung ­
  so  verfährt,  fördert  man  die  eigene  Religion  und  tut  auch
            
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